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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1875-01-01 · 3-4 (1875) · p. Seite 277

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
11 (1875)
Issue
3-4 (1875)
Date
1875-01-01
Page
Seite 277 (sequence 117)
Language
German
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IRI
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Miscelle. 277 durch seine Zauberkunst und sich so um das kaiserliche Haus derdient mache, und dafür mit der Rücknahme jener bösen Gesetze belohnt werde. Es ging Alles nach Wunsch! Das Märchen ist nicht übel, aber es fehlt ihm alle poetische Wahrheit. Der liebenswürdige Dämon heißt בן תבלליון, aber anderswo ist die Orthographie dieses Namens mit Recht בן תלבליון (Levitieus c. YI, Pesikin ed. 8. Margaliot Bl. 55, Jalkut Zachar. Y und Raschi Succa 5 citirt unsere Stelle ebenso), denn es ist Bartholomäus (vgl. כקדימין Nieodemus). Wenn wir uns beim Vatersnamen unsers vornehmen Römers eine sprachübliche Vertauschung ט mit ש erlauben, so finden wir קמיע בר שלום statt בר שלום 'p, also dieser Bartholomäus, der alte Protector der Juden, hat unfern R. S. bei der Tochter des Kaisers 1j eingeführt. Wir haben bei obiger Auseinandersetzung gesehen, daß wir derselben Ueberlieferung nur in zweierlei Färbung gegenüberstehen- Die erstere theilt uns nüchtern die gefährliche Beredsamkeit eines Rathsherrn mit, welcher seine Amtsgenossen täuscht; die zweite will nur als Phantasie-Gemälde ihr Publikum täuschen, täuschen mit einem fliegenden Geiste, der aber in Wahrheit von irdischem Fleisch und Blut ist. Praktisch ergiebt sich aus der versuchten Erklärung der Persönlichkeit des R. Reuben, daß gar kein Tanna dieses Namens in die Reihe *) Es soll wohl Fanstina (im Thalmud Nidda 45 unter dem Namen ירסטהי) die Tochter des Autoninus Pius gemeint sein, welche wegen ihrer Reize ebenso berühmt wie wegen deren leichten Preisgebung berüchtigt war. Bartholomäus besuchte sie vielleicht gegen sein Recht und den Willen des Kaisers, und im Augenblick einer Ueberraschung rief ihm Simon zu: ״Rette dich Bartholomäus!" Dies der muthmaßliche Hergang der Sache, welches die Legende als eine Geistesfahrt an den Mann bringen möchte, während der Thalmud das Kapitel, daß böse Geister in den Menschen fahren, aus ihm reden, ihn quälen und necken, kaum kennt. Nach seiner Lehre von den bösen Geistern nehmen diese häufig Gelegenheit den Menschen zu schädigen, aber, daß sie in seine Person fahren, kommt vielleicht nur hier und im Tractat Pesachim 111, b vor (ob in je dem hierosolymitanischen Thalmud solche Geister- Einfahrt vorkömmt?). Wir finden die Erscheinung von der dämonischen Besessenheit nur im N. T. und auch da bloß bei den Synoptikern und bei den Cabbalisten. Als freundlich helfender Geist ist eine schöne Parallele im Ierusch. Therumoth YIII, 4. Der liebreiche Dämon schützt die Waisen gegen den feindlichen Diocletian, aber fährt nicht in ihn hinein. Uebrigens ist die Kaisertochter nichts Anderes, als die בלטרוכיתצ in den beiden andern Variationen der Legende.

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