Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 11 (1875)
- Issue
- 3-4 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 276 (sequence 116)
- Language
- German
- Belongs to
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m Miscelle. sei standesgemäß in die Rathsversammlung, deren Mitglied er war, gegangen, um für die Rettung seiner geheimen Glaubensgenossen zu sprechen. Letzteres that er mit vorgeblichem Hasse gegen die Juden. Der Sinn seiner scheinbar widersinnigen Beredsamkeit ist: Man lasse dieses, für das Reich durch seine Religion unglückliche Volk durch die Folgen eben dieser Religion, durch Armuth, Entmannung und Ehelosigkeit sich selbst aufreiben, ohne daß wir Hand an dasselbe legen! Seine hohe Stellung und der im Rathe Herrschende Judenhaß bedingten einen Beschluß nach seinem Vortrage. Aber später ergab sich, daß der vornehme Römer und Rathsherr eine heimlich Jude gewordene Persönlichkeit ist, und somit änderte sich die Gestalt der Frage wieder, da man auch einsehen mochte, daß es staatsklüger und sittlich schöner ist, die Juden zu bekehren, als sie zu vernichten. Das דבירו בו טודיוא ידודי läßt in der alten Annahme nur voraussetzen, der Redner sei eine der ganzen Versammlung unbekannte Person gewesen, was, wie oben gesagt, undenkbar wäre, jetzt ist der Satz'vollkommen natürlich, man hat entdeckt, daß der sehr wohlbekannte Herr heimlicher Jude ist. Ueber das schließliche Geschick unseres freundlichen Römers schweigt hier die Erzählung, während an den drei Parallelstellen er den Tod als Märtyrer stirbt, sein Wagniß aber gelungen ist, weil hier eben die Darstellung unter der Herrschaft der Annahme entstanden ist, der Judenfreund sei ein geborner Jude gewesen, und weil man auch einen Schauplatz gewinnen wollte für die Thätigkeit des Simonb.Jochai, der angeblich das unterbrochene Rettungswerk wieder aufnimmt. Die Erzählung von des letztern wundersamen Erfolg ist aber keine neue Thatsache, sondern nur eine neue Variante der alten Sage und בן דל:ויון ist wieder קטיע בר שלום. Wir denken uns gewöhnlich die an unserer Stelle erlassenen feindlichen Gesetze als eine spätere Erneuerung der Hadrianischen unter einem Antonin, Röuben b. J ß r. habe sie vorübergehend beseitigt, sie seien wieder in Kraft getreten, und nun wurden sie bleibend abgeschafft durch das Wohlwollen eines Dämon für R. Simon b. Jochai, der das Decret selbst zurückerhielt. Ich glaube nicht, daß dem so ist, es sind vielmehr, wie gesagt, nur sich ablösende Recensionen derselben Legende. R. Simon brachte nach Rom keine Empfehlung mit, und mußte sich mit der Protection eines freundlichen Dämons begnügen, der in die Kaisertochter fuhr, damit R. S. ihn aus ihr austreibe