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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1875-01-01 · 3-4 (1875) · p. Seite 274

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
11 (1875)
Issue
3-4 (1875)
Date
1875-01-01
Page
Seite 274 (sequence 114)
Language
German
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274 Miscelli. Rom's ging ein Legendenstrom aus, der sich nach vier Richtungen wendete, und diejenige, welche sich in den thalmudischen Tractat Me-ila (Bl. 17) ergoß, spaltete sich nochmals in zwei Arme. Hierdurch wird der Zusammenhang der Thatsachen in Stücke gerissen welche auf mehrere Personen und Zeiten vertheilt wurden, auf welche im geschichtlichen Hergange blos Eine Person und Eine Zeit rechtlichen Anspruch hat; und treten wir an der Seite des bezeichneten Grundgedankens der vielspaltigen Legende im genannten Tractat näher, so finden wir die oft wiederholte Erscheinung, daß durch die religiösbefangene Auffassung einer Ueberlieferung aus einer nationalheiligen Sage die schönste Idee zur Karricatur wird. An jener thalmudischen Stelle wird, nach einer der Sache fremden und nur kie Person des R. Simon b. Jochai angehenden Einleitung erzählt, es habe einst die römische Regierung dem jüdischen Volke die Beobachtung dreier Hauptpflichten ihrer Religion verboten: 1) die Beschneidung; 2) die Sabbatfeier; 3) die Ent- Haltung vom Beischlafe mit Frauen in ihren Blutfluß - Tagen. *) Diese das religiöse Gefühl auf's Tiefste verletzenden Befehle rückgängig zu machen, wagte es Rabbi 1 2jרובן בן איסמרובכי unter römischer Haartracht verkleidet in der Raths-Versammlung auszutreten und die betreffenden Gesetze als vortheilhaft für die zu verfolgenden Juden zu bekämpfen. Die römischen Räthe, nur auf 1) Anderswo sind die dre; Verbote: Beschneidung, Sabbath und Torastudium. Statt letzterer ist hier allein שיבעלו כדות. Dieses sonderbare, in Gebotsorm ausgedrückte Verbot soll — שיבעלו ארפלות nichts anderes heißen als: sie sollen sich mit Heidinnen verheirathen. Die Verbote 1 und 3 sollten wohl der durch den Hadrianischen Krieg entstandenen Entvölkerung sbhelfen; Hadrian hielt nämlich, wie Spartian berichtet, die Beschneidung sür Castration; dem verödeten Boden aber 52 Arbeitstage jährlich zu gewinnen war auch keine schlechte Maßregel vom Standpunkte Hadrian's aus, der außerdem viele Arbeiter beim Bau der Aelia Capitolina brauchte., Daß das Torastudium hier nicht als viertes Verbot aufgezählt wird, beweist noch schlagender wie die drei andern, daß die Zeit der Begebenheit in Ue letzten Jahre Hadrian's fällt. In diesen Jahren war keine Erneuerung des Verbotes gegen das Studium uöthig, denn es war gänzlich erloschen. Dies mußte so kommen durch den Tod des R. Mba, des fast ausschließlichen Lehrers, und seiner Schüler, und sagt der Midrasch zu Psalm 12 ausdrücklich: ,,Durch Hadrian's Gesetze hat die Tora aufgehört." 2) Derselbe wird Sota 49 d *אבטולוס בן ראובן genannt, und Baba Kamma 83 lesen Tojafot an unserer Stelle אבטו לכלום 'ב statt ראובן בן איסט. S. unten.

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