Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1875-01-01 · 3-4 (1875) · p. Seite 267

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
11 (1875)
Issue
3-4 (1875)
Date
1875-01-01
Page
Seite 267 (sequence 107)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2420973-2421010-2421012--3515-2424368
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Jakob Saphir: Reisen. 267 Behauptungen ernst entgegenzutreten, ist überflüssig, da die Exclamationen, in die Hr. S. ausbricht, eben nur sein eifriges Verlangen nach dem angestrebten Resultate bekunden, aber nicht das nüchterne Urtheil beeinflussen können. So fragt z. B. Hr. S., warum man denn gar keine geschichtliche Angabe über die Entstehung der Vocalisation und Aeeentuation habe, während es doch an solchen Angaben über Herstellung der Mischnah, Gemara und dgl. nicht fehle. Solche Fragen haben bei der Dürftigkeit der uns zugekommenen Berichte, bei dem Mangel an geschichtlichem Sinne in der alten Zeit überhaupt gar keine Beweiskraft, und das Stillschweigen ist um so erklärlicher, als es sich um eine Zeit handelt, die überhaupt, weil ohne selbstständig schöpferische Kraft, weil unter Druck und Verfall seufzend, der geschichtlichen Beleuchtung ermangelt, die Zeit nämlich zwischen dem Schluffe des Thalmud und dem Aufleben der Wissenschaft unter dem Einflüsse der Araber. Die ganze Midraschim-Literatur, das Büchlein Jezirah und was sonst noch dieser Zeit angehört, entbehrt aller bestimmten geschichtlichen Angaben. Für Vocalisation und Accentuation aber bietet die syrische Literatur genügende Handhaben; aus ihr kamen die Antriebe für die jüdischen Schulen, die sie nach deren Muster ausbildeten. Daß die Massorah nach ihrer jetzigen Einrichtung und hrem Umfange ebensowenig alt ist, bedarf gleichfalls keines Nachweises. Sie hat ihre Keime und Anfänge in der thalmudischen Zeit; das war uns längst bekannt, und die massorethische Notiz aus einer Jemen'schen Handschr., die Juda ben Schilath nennt (S. 192), mag mit als ein Beitrag ausgenommen werden. Allein selbst der technische Name Massorah ist der alten Zeit unbekannt, da heißt מסורת ganz allgemein Ueberlieferung; Akiba's Spruch, daß die ״Massoreth ein Zaum für die Lehre" sei (Aboth 3, 13), bezieht sich nicht auf die textkritischen Glossen, sondern spricht von überliefertem Buchstabentext und überlieferten Deutungen, und das dem יעז אם למקרא, der durch mündliche Mittheilung festgestellten Aussprache, dann entgegengesetzte יעו אם למסורת, wodurch nur der Buchstabentext sein Recht hat, und dre vocalische Aussprache mehr freigegeben wird, hat, abgesehen davon, daß sie erst eine spät gemarische willkürliche Ausweitung ist, mit dem üblichen Begriffe der Massorah gar Nichts zu schaffen. Es wäre daher viel besser gewesen, wenn uns Hr. S. mit den weitläufigen Ver-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.