Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 11 (1875)
- Issue
- 3-4 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 264 (sequence 104)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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264 Recenstone». Hr. S. beobachtet allerdings mit offenem Blicke, und man folgt ihm in seiner Erzählung nicht ungern, doch fehlt es ihm natürlich an den wissenschaftlichen Vorkenntnissen, die einen Reisenden erst in den Stand setzen, das Wichtige zu sehen und zu erforschen. Er hat für die Auffindung und die correcte Beschreibung jüdischer Alterthümer Verständniß und Unbefangenheit, er verschiebt die Dinge nicht aus Voreingenommenheit, und wir würden gern reichere Mittheilungen von ihm annehmen, deren Zuverlässigkeit, soweit es die einfache Darstellung betrifft, kein Mißtrauen erweckt, wenn wir auch die von ihm angelegten kritischen Maßstäbe als durchaus unberechtigt abweisen müssen. Denn Hr. S. will ein so stricter Anhänger und Verehrer alles Herkömmlichen sein, daß er es liebt und dafür keine gewaltsamen Versuche scheut, dasselbe in ein möglichst hohes Alterthum hinaufzurücken; wagt er auch zu diesem Zwecke keineswegs Fälschungen und angebliche Correcturen vorzunehmen, so umgiebt er jedoch die richtigen Thatsachen mit kühnen willkürlichen Deutungen und Combinationen. Die unbefangene Kritik wird sich bei diesen abenteuerlichen Be- Hauptungen und mit deren Widerlegung nicht lange aufhalten. Man geht an der fabelhaften Annahme, daß in Jemen und Aden jüdische Gemeinden bereits zur Zeit des babylonischen Exils gelebt, mit Esra nicht zurückgekehrt seien und sich dort erhalten haben, lächelnd vorüber. Es sind Träumereien, die sich auf alberne Legenden und angeblich alte Grabsteine stützen, die keine Beachtung verdienen. Von den zehn Grabsteinen nämlich, deren Inschriften uns mitgetheilt und als Zeugnisse verwerthet werden (S. 9 ff.), datirte einer aus dem Jahre 20, sechs aus 28, einer aus 29, einer aus 61 und einer gar aus Jahr 1 (אחת) der seleucidischen Aere (mnllwd), und Hr. S. nimmt frisch drauf weg an, man habe darunter Jahre von dem ersten Beginn dieser Aere, also vor und kurz nach 300 vor Ehr. zu verstehen, und er für seine Person hat auch kein Bedenken gegen das Jahr 1 der sel. Ae., wenn er auch erwartet, daß die ״Kritiker" daran Anstoß nehmen werden (S. 10 Anm. 6). Nachträglich muß ihm doch selbst dieses Jahr eins verdächtig geworden sein, denn er bekehrt sich (S. 162) zu der Ansicht, die er nun als ״feststehende Wahrheit" annimmt, das אחת oder אתח bedeute 1408, womit denn der Grabstein auf 1097 n. Ehr. herabgerückt wird! Damit ist nun das Alter der