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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1875-01-01 · 3-4 (1875) · p. Seite 261

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
11 (1875)
Issue
3-4 (1875)
Date
1875-01-01
Page
Seite 261 (sequence 101)
Language
German
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Umschau. 261 ehren, während das griechische ihnen zum Theile noch verschlossen war, zum Theile von ihnen mit neidischem Blicke betrachtet wurde —, bei all dieser Innigkeit möchten sie immer eine Entschuldigung aufsuchen, daß sie Vorchristliches ehren. Wir haben die trübe Engherzigkeit Dantes in diesem Punkte schon früher berührt (diese Zeitschr. Bd. V. S. 299 f.) Dasselbe erfahren wir bei dem tieferen Einblicke in den geistigen Lebensgang Petrarca's und Boccacio's. Eine neuere Schrift, welche uns ״zur Erinnerung an die fünfte Säeularfeier Petrarka's am 18. Juli 1874" diesen italienischen Meister nach allen Richtungen hin kennen lehrt 1), zeigt uns bei aller Wärme, die sie für ihren Gegenstand empfindet und ausstrahlt, doch in ihrer musterhaften objectiven Haltung, wie Petr, ebenso zwischen Leichtlebigkeit und sittlichem Ernste, wie zwischen einer aus dem Alterthum stammenden Bildung und einer an Augustin sich anlehnenden Selbstquälerei hin- und herschwankt; er ist allerdings nicht so matt, daß er wie Boccacio, alternd alle Beschäftigung mit den edeln Bildungswerken des Alterthums als werthlos, ja als sündlich wegzuwerfen sich bereit erklärtes, aber auch diese Abwehr ist doch nicht so kräftig, wie wir sie erwarten. Die Werke des AlterLhums sind ihm überhaupt weniger ein Lebenssäst als ein schöner Schmuck, mit dem er seine rednerischen Ergüsse ausstattet; das ästhetische Wohlgefallen an der abgerundeten Darstellung, an Form und Wohlklang bleibt für ihn die Hauptsache. Ihnen es darin gleichzuthun, das ist seine höchste Sehnsucht. Man hört es aus seinen patriotischen Mahnungen heraus, wie er, bei aller Hingebung an das Vaterland, seinen eignen Perioden lauscht und sich an deren Rundung und Fülle, an den Gleichnissen und Beispielen erfreut. Die realen Verhältnisse der Gegenwart und deren Anforderungen streifen ihn nur an, er lebt in dem italienischen, dem römischen Alterthume, das er mit etwas christlicher Färbung wiederhergestellt sehen will. Daher erwärmt uns seine Gluth und sein Zorn, seine Liebe und sein Verlangen nicht in vollem Maße; sie erscheinen uns nicht etwa als gemacht, aber die Illusionen treten zu sichtbar hervor. So macht es denn auch den Eindruck einer gar seltenen Geistesverirrung, wenn ein Mann, 2) Petrarca. Von Ludwig Geiger. Leipzig. Duncter und Humblot. 1874. X und 277 Seiten. 2) In der eben angef. Schrift S. 109 ff.

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