Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 11 (1875)
- Issue
- 3-4 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 260 (sequence 100)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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260 Umschau. ״Der dreifach gewundene Faden reißt nicht leicht". Um diesen Spruch Koheleths zu bewahrheiten, folge nun noch der Bericht über ein Blatt, das mir heute wiederum aus Jerusalem zugekommen, nämlich die erste Nr. des fünften Jahrganges von ״Habazeleth" (vom 7. Thischri, 18. Sept.). Herausgeber ist Hr. I. B. Frumkin. Wie es-fich mit dem Wochenblatte verhält, das unter demselben Titel wie dem, welchen das Blatt Cohen's getragen, und das nun seinen fünften Jahrgang antritt, und wie es scheint, ohne Unterbrechung erschienen ist, kann ich nicht angeben. Jedenfalls ist, nach dem Inhalte dieser einen Nummer zu urtheilen, auch die Tendenz dieses Blattes eine verständige. So tritt es z. B. mit Entschiedenheit für die Verbreitung der Handwerke und des Ackerbaues unter den Juden Palästina's ein. Das sind immerhin Zeichen, daß es sich dort zum Bessern wenden will, daß der Anspruch, in bettelhaftem Müßiggänge genährt zu werden, einer besseren Gesinnung zu weichen beginnt. Möge Jerusalem also nun geweiht werden durch ersprießliche Thätigkeit! Das ist wahre Heiligung des Bodens und des Menschen. 18. Oct. 50. Der italienische Humanismus und das Judenthum. In einem raschen Ueberblicke über die Geschichte des Judenthums heißt es oben (S. 35) von der zweiten Hälfte des 13. und von dem 14. Jahrh.: ״Nur Italien erweckt Hoffnungen, die aber doch blos bis zum schöngeistigen Spiele, zur eleganten Gelehrsamkeit führen, aber der Energie entbehren, um eine Erneuerung in Wissenschaft und Leben hervorzurufen." — Was hier von dem Judenthume der damaligen Zeit in Italien ausgesagt wird, ist naturgemäß nur der Abdruck der allgemeinen Literaturbestrebungen in Italien zu jener Zeit, des dort früher als anderswo sich regenden Humanismus. Bei all' seiner blüthenreichen Fruchtbarkeit, bei all seinen edlen Gestaltungen ist und bleibt er matt und wird seiner eigenen Vollkraft nicht inne. Die großen Dichter der damaligen Zeit, die die Classiker Italiens für alle späteren Jahrhunderte bis zur Gegenwart geblieben sind, kranken bei aller starkgeistigen Freisinnigkeit bald an einer mystischen, bald an einer süßlichen religiösen Schwärmerei; bei aller Innigkeit, mit der sie am classischen Altherthume hangen — namentlich an dem römischen, das sie als ihr vaterländisches Heiligthum ver-