Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 11 (1875)
- Issue
- 3-4 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 256 (sequence 96)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2420973-2421010-2421012--3504-2424357- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
256 Umschau. die über Werkzeuge und Verfahren bei dem Dreschen eingehend belehrt und auf Stellen der Bibel wie der Mischnah auch in Beziehung auf Namen von Pflanzengattungen auffallendes Licht wirft. Dann wird auch über die Dreschtafel als Marterwerkzeug, wiederum mit vielfacher Beziehung auf biblische Angaben, gesprochen. Endlich veranlaßt die Verwendung derselben zum Sitze des jungen Ehepaares in den ersten sieben Hochzeitstagen, sowie zum Wegtragen der Leiche zu interessanten Mittheilungen über Hochzeitfeierlichkeiten und Gebräuche bei Leichenbestattungen. Die Uebereinstimmung ist hier nicht gerade vollständig mit den altjüdischen Sitten, aber doch bieten sich genug der Vergleichungspunkte dar. Die Bezeichnung des jungen Ehemannes während der sieben Hochzeitstage als König ist auch in dem aus dem Pirke R. Elieser 6. 16 entnommenen und so geläuftg gewordenen Satze החתן דומה למלך enthalten; allein in der älteren jüdischen Literatur findet sich von einer solchen Be- Zeichnung keine Spur, während die genannte Elieser-Baraitha bekanntlich der arabischen Zeit angehört und Vieles arabischen Anschauungen entlehnt hat. Wir werden daher auch die dortige Darstellung als ausgenommen zu betrachten haben; sie lautet vollständig: ״Der junge Ehemann gleicht dem Könige. Wie dieser nicht allein auf die Straße geht, so auch jener; wie dieser Prachtgewänder anzieht, Alle ihn Preisen, so auch jener während der sieben Hochzeitstage.׳" Daß jedoch auch die junge Frau Königin heiße, davon erfahren wir im Judenthum Nichts. — Den Begleitern des jungen Mannes, die als שועובינים (auch im Syr.) ebenso bekannt sind, wie deren Benennung noch unerklärt ist, begegnen wir auch hier; der Obmann derselben heißt insgesammt heißen sie also einfach die den Bräutigam (umgebenden) Jünglinge, und es dürfte wohl die Etymologie des späthebr. und aram. Wortes auch keine andere sein, blos ausgenommen aus dem Arab., ״befreundeter Jüngling" bedeuten. — Wir hören hier von Näschereien, welchen die Araber den Collectivnamen JJü ״das Tragkörn" geben, weil man sie auf Reisen, bei Garten- und Landpartieen mit sich führt und welche aus Rosinen, getrockneten Feigen und Aprikosen, überzuckerten Mandel-, Wallnuß- und Pistazienkernen u. dgl. bestehn; wir dürfen darin Wohl das biblische משאת wiedererkennen. Eine auffallende Verschiedenheit ist, daß, nach Hrn. W., weder bei den Hochzeitsnoch bei den Trauerfeierlichkeiten die vielfachen