Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 11 (1875)
- Issue
- 3-4 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 254 (sequence 94)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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254 Umschau. 48. Kleinere Arbeiten von Wetzstein. Kleinere Arbeiten, die unser Gebiet berühren, verstecken sich so leicht in größere Sammlungen , die zuweilen recht Entlegenes zusammenfafsen, daß man sie dort nicht sucht, und es ist eine um so angenehmere Pflicht, auf sie aufmerksam zu machen, wenn man ihrer gerade habhaft wird. Ich verdanke der Güte des Hrn. Consul Dr. Wetzstein einige solcher, größeren Werken einverleibten Abhandlungen, von denen Bericht zu geben ich mich umsomehr angetrieben fühle, da hier von dem mit dem Semitismus so innig vertrauten Gelehrten gelegentlich Licht auf manches dunkle Wort und manche dunkle Sitte geworfen wird, das wir gebrauchen und zu weiterer Aufhellung benützen können. 1. Die Abhandlungen der bayrischen Akademie vom J. 1873 enthalten (S. 581—96) eine Abhandlung des Hrn. W.: Das ״Nadelöhr von Jerusalem." Sie bespricht zunächst die legendenhafte Angabe eines Reisenden aus dem I. 1422 und eines neueren Missionärs, daß in Jerusalem ein Pförtchen sei, das ״Nadelöhr" genannt werde, oder, wie sich dieser schon erweiternd ausdrückt: das Nadelöhr ist im Morgenlande ein Nebenpförtchen für Fußganger neben dem Hauptthore, durch welches die Kameele schreiten. Diese Angabe soll zur Erklärung der Stelle Math. 19, 24 (Mar. 10, 25. Luc. 18, 24) dienen, während sie umgekehrt erst aus dieser sprichwörtlichen Redensart, die auch im Koran 7, 38 und im Thalmud (z. B. Berachoth 55 b., Baba mez. 38 b., wo ״Elephant" für Kameel) vorkommt (vgl. mein: Was hat Mohammed re., S. 71 f.), erdichtet ist. Nebenpförtchen giebt es überhaupt, wie uns Hr. W. belehrt, in Palästina und Syrien nicht, hingegen befindet sich an den vielen Thoren, welche die einzelnen Quartiere, ja die einzelnen Gassen und Gäßchen, selbst Abschnitte einer und derselben größeren Gasse absperren, indem sie zur Sicherheit von zwei Stunden nach Sonnenuntergang bis gegen Sonnenaufgang geschlossen werden, in der Bütte des Thorflügels ein nur wenig über drei Fuß hohes und ungefähr 21j2 Fuß breites, also nur gebückt zu passirendes Thürchen, das zum Durchschreiten von Fußgängern bestimmt ist. Dieses Thürchen heißt aber nicht etwa ״Nadelöhr", sondern CH Aha , das im Allgemeinen ein Luft- und Lichtloch in der Mauer, eine Oeffnung in der Zwischenwand zwerer Zimmer, einen schmalen offenen Raum, endlich überhaupt eine enge Oeffnung bedeutet.