Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 11 (1875)
- Issue
- 3-4 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 240 (sequence 80)
- Language
- German
- Belongs to
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240 Umschau. sich ziemlich eng anschließend, bedarf es kaum der Beihilfe der anderen uns übrigens nicht minder bekannten Dialekte. Selbst Worte, die sich in den verwandten Dialekten nicht Nachweisen lassen, erhalten ihre bestimmte Bedeutung, wenn sie häufiger Vorkommen, ziemlichs zuverlässig. Vorläufig werden freilich noch manche Worte unsicher bleiben, auch ganze Sätze, über deren Worttheilung man sich nicht mit Sicherheit schlüssig machen kann. So bleibt z. B. in der Sarginschrift des Eschmunasar, trotz aller Zuversichtlichkeit des Hrn. Hal., die Gruppe בנבלהכינלנלאזלנליתמבנאכפלת (Z. 3 u. 13), כחכ (Z. 12) ungenügend erklärt, so ist von Hrn. H. in der zweiten sidonischen Inschrift כבנ und בתאלי willkürlich gedruckt, so werden dann Worten einer Grabschrift: חככת und ענת, Deutungen untergelegt, die ihnen schwerlich angehören, und dgl. mehr. Jedoch hebt diese Unsicherheit im Einzelnen die Zuverläßigkeit in der allgemeinen Erkenntniß nicht auf, und selbst für die noch nicht genügend erklärten Stellen braucht man die Hoffnung nicht aufzugeben, daß weitere Entdeckungen auch über das gegenwärtig noch zweifelhafte Aufklärung bringen werden, und auch glückliche Vermulhungen werden noch Licht in manches Dunkel bringen, wie es in den Versuchen des Hrn. H. an solchen scharfen Blicken nicht fehlt. Nicht genug ist jedoch Vorsicht davor zu empfehlen, daß man seine zweifelhaften Erklärungsversuche rasch zu Behauptungen umgestaltet, welche einen Einblick in die Anschauungsweise des uns unbekannten Volkes gewähren sollen, ferner daß man seine Annahmen auf Stellen aus der hebräischen Literatur stütze, welche selbst zweifel- Hafter Art sind. Bei dem Scharfsinn und der Combinationsgäbe, welche Hrn. H. zu Gebote stehn, dürfte er umsomehr sich hüten müssen, in Verirrungen nach jenen Richtungen hin zu gerathen. So werden von ihm Ansichten über Unsterblichkeilsglauben aufgestellt, die theils ohne gehörige Begründung sind, theils Alles auf den Kopf stellen. Es ist schon bedenklich, wenn die Lehre von der Auferstehung mit der von der Unsterblichkeit fast geradezu identificirt wird, oder, wie sich Hr. Halevy ausdrückt: 1'iu8ur1-eot.10u n’est quJune phase du dogme de Timmortalite, dann wird auch der Glaube an ein Schattenreich dem an ein volles Fortleben der Seele oder an ein Wiederaufleben in dem erneuten Körper gleichgestellt, ohne zu bedenken, daß ein irgendwelches schattenhaftes fortgesetztes Dasein wohl vielfach angenommen worden, daß dieses aber von einer be-