Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 11 (1875)
- Issue
- 3-4 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 238 (sequence 78)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2420973-2421010-2421012--3486-2424339- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
238 Umschau. ״mißbräuchlich" S. 271 ״Verschlechterung der Sprache" S. 299 u. Aehnliches). Wenn man nun gar aus der Uebereinstimmung des Assyrischen mit der äthiopischen Mischsprache im Gegensätze zu den reinen semitischen Dialekten für den Semitismus des ersteren plädiren hört (S. 240), so wird man diese Zuversicht zu Lheilen sich schwer entschließen können. Dem mag nun sein, wie ihm wolle, und so wenig ich ein abschließendes Urtheil über diesen Gegenstand fällen will, so bleibt es jedenfalls sehr gewagt, aus den Ergebnissen, welche man für das Assyrische gewonnen zu haben glaubt, für das Hebräische erläuternde Momente erzielen zu wollen. Das Assyrische erlangt, wenn es wirklich ein semitischer Dialekt ist, seine Erklärung aus den uns so vollkommen vertrauten, durch eine reiche Literatur ver- Lretenen semitischen Sprachen, aber die Befürchtung liegt nahe, sich in Abenteuerlichkeiten zu verirren, wenn man nun rasch das Assyrische anwenden wollte, Erscheinungen und Wortbedeutungen in den bekannten semitischen Sprachen zu erläutern. Ich kann es nun als eine solche Abenteuerlichkeit betrachten, wenn man עשתי, das die Einheit in der Zusammensetzung von elf vertritt, mit einem angeblichen assyrischen ״isttin" combinirt, das ״eins" bedeute, indem ״das, den Hebräern überkommene ,aftin — istin von denselben als ein (aramäischer?) Plural angesehen und demgemäß, als es mit der Zahl ״zehn" in Verbindung gesetzt ward, als Status constructus und zwar als pluralischer St c. עשתי־ abgewandelt ward." (Schräder S. 235.) Die dummen Hebräer! Das Wort wurzelt in ihrer Sprachanschauung nicht, sie haben es daher nicht für das gewöhnliche ״eins", sie haben es ״überkommen", man weiß nicht woher, und da nehmen sie es ohne alle Veranlassung in der Zusammensetzung mit zehn auf, trotzdem es ihnen so fremd bleibt, daß sie das ״eins" als einen Plural betrachten, daraus einen 8t. eonstr. bilden und die seltsamste Mißgestalt erzeugen. Wahrlich man müßte von den Hebräern sagen, sie könnten nicht allein nicht drei, sondern nicht einmal eins zählen! Weil bisher ^2ש noch nicht glücklich erklärt ist, sind wir nicht berechtigt, solche Gedankenlosigkeiten der hebräischen Wortbildung zuzutrauen. — Als nicht minder abenteuerlich erscheint mir, den von Kain getödteten Hebel aus dem assyrischen Habal, Sohn, erklären zu wollen; ein sonst dem Hebräischen völlig fremdes Wort soll plötzlich in einem Eigennamen sich finden, der, soviel man weiß, nicht dem assyrischen Sagenbuche ent-