Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 11 (1875)
- Issue
- 3-4 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 236 (sequence 76)
- Language
- German
- Belongs to
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236 Umschau- Bd. IV. Nach den schon mehrfach gemachten Bemerkungen über die Methode Kara's, bei der ihm in reichem Maße gewordenen Anerkennung genügt es im Ganzen auf diese neuen Auszüge, welche das gewonnene Urtheil über ihn vollkommen bestätigen, die Aufmerksamkeit der Sachkenner hinzulenken. Nur als Probe von dem selbstständigen Verfahren Karats mag noch besonders hingewiesen werden auf seine Erklärung zu Nicht. 5, 13, wo er ב1ר^ר als Stadt in Sebulun (Jos. 19, 10) auffaßt, auf 1 Sam. 17, 39, wo er ויאל mit ״weigern" übersetzt, freilich darin nicht das versetzte וילא erkennend, sondern einen Stamm vermuthend, der neben der positiven auch die privative Bedeutung einschließe — und auf 1 Sam. 21, 12, wo er in באלפיו und ברבבותיו richtig ״unter, mit seinen Taufenden re." erkennt (vgl. diese Ztschr. Bd. VII S. 287 Anm.). 19. April. 41. Inschriften-Kunde. Der Schoß der Erde birgt Schätze, die, demselben mühsam entrungen, für die auf der Erde lebenden höchst nutzbar verwendet werden. Wenn die Erde so aus ihren Eingeweiden uns werthvolle Metalle darbietet, so hat sie auch die Vegetation ganzer Urzeitalter, die sie einstmals mit ihrem Safte genährt, ganze Wälder und Pflanzengebiete wieder in ihr Inneres ausgenommen, dort eigenthümlich verwandelt, und nun aufgegraben, werden sie uns zur Kohle, die uns ihre Wärme wieder ausstrahlt. Doch neben den Steinen und Pflanzen sind auch Reihen alter Thiergeschlechter verschüttet und die Arbeiten vergangener Menschenzeitalter, dahingeschwundener Völker mit hohen Erdschichten bedeckt. In ihnen wühlend, gewinnen wir den Einblick in das Leben und die menschliche Thätigkeit längst dahingegangener Zeiten. Unter den Werken des menschlichen Geistes, welche uns so aus der Vorzeit aufgedeckt werden, fesseln uns vorzugsweise die schriftlichen Denkmale, in welchen jene Zeiten, aus denen zusammenhängende Nachrichten nicht zu uns gelangt sind, uns Kunde geben über ihr Thun und Verlangen, über ihr Wissen und Ahnen. Karg ist diese Kunde, weil fast nur in knappen Inschriften bestehend, die mit feierlicher Kürze nur ein Einzelnes festhalten wollen. Dennoch bereichern sie unsere Erkenntniß, und der Zusammenhang, in dem sie mit längst Bekanntem stehn, erhellt und berichtigt auch mannichfach unsere bis jetzt festgestellten Annahmen.