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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1875-01-01 · 3-4 (1875) · p. Seite 230

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
11 (1875)
Issue
3-4 (1875)
Date
1875-01-01
Page
Seite 230 (sequence 70)
Language
German
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230 Umschau. in der Gestalt, wie wir sie vor uns haben, gehören einer späteren Zeit an, und haben vielfach künstliche Wortgebilde ausgenommen, die nicht dem lebendigen Verkehre entlehnt sind, sondern die sie selbst zu ihrem Zwecke umgeschaffen haben. Ein solches Wort ist auch die ״Memra", die auf das thargumische Gebiet beschränkt und, wie sie nicht den vollen Gedanken und Wort zusammenfassenden Begriff auszudrücken vermag, eine inhaltlose Umschreibung blieb. — Allegorische Erklärungen stellen sich aber, ohne directen Einfluß von anderer Seite her, als nothwendig heraus, wenn die fortschreitende, aus der sinnlichen Natürlichkeit zur Abstraction sich erhebende Ent- Wicklung, Ausdruck und Vorgang, welcher der primitiven Stufe entspricht, sich zu assimiliren sucht. Da ist es unberechtigt, unmittelbaren Einwirkungen, Entlehnungen zuzuschreiben, was im nothwendigen geschichtlichen Processe sich von selbst Herausstellen muß. Dahin gehören demnach alle die, wenigstens älteren allegorischen Erklärungen in der Haggadah, die keines Anstoßes von Alexandrien aus bedurfte, sondern auf heimischem palästinischen Boden erwachsen ist. So dankenswerth daher die so einsichtig eingehende Beschäftigung auch mit diesem jüdischen Literaturgebiete ist, so dürfen wir die Bedeutung dieses Absenkers, der seine krankhafte Verkrüppelung nicht verleugnen kann, nicht überschätzen und nicht ihm einen Einfluß zuschreiben, den er in der That nicht ausgeübt hat. Die spärlichen Anklänge, welche aus der Midrasch-Literatur von Hrn. Dr. Fr. ausgesucht und S. 69 ff. und 73 ff. an einander gereiht werden, gehören, wie bereits bemerkt, einem späten weit vermittelten Nachhalle an; allegorische Erklärungen (S. 75) machen sich für ein jedes feststehende Religionsbuch, das mit späteren Anschauungen in Übereinstimmung gelangen will, in größerem oder gringerem Maße nothwendig, haben daher ihre Entstehung in dem eigenen Drange, nicht in der Entlehnung. Daher ist auch von irgend einem unmittelbaren Einflüsse des ״Demetrius des Chronographen" auf die palästinische Entwickelung kaum zu sprechen (S. 77), wenn er auch Josephus bekannt geworden. Die ganze Untersuchung, wie sie Hr. Dr. Fr. anstellt, ist zu fein, als daß sie eine feste Handhabe bieten könnte; die ausgeschiedenen Läppchen aus den bunt zusammengeflickten Werken sind zu fadenscheinig, als daß sich die alte Farbe mit Wahrheit bestimmen ließe. Daran krankt besonders die Untersuchung über einen angeb-

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