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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1875-01-01 · 3-4 (1875) · p. Seite 228

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
11 (1875)
Issue
3-4 (1875)
Date
1875-01-01
Page
Seite 228 (sequence 68)
Language
German
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228 Umschau. Wicklung des GesammtjudenLhums nicht geübt. Die hellenistischen An klänge, welche Hr. Dr. Freud. (S. 69 ff., S. 73 ff.) in der Palästinischen und dann der babylonischen jüdischen Literatur findet, sind ein nur sehr leiser Nachhall, wie er durch mannichfache Luftschwingungen vermittelt, erst spät nachzittert, es sind vereinzelte Gedankensplitter, die umhergeweht auch nach mehr entlegener Ferne getragen worden und dort einmal sichtbar werden, Blüthenstaub, der umherschwebt ohne fruchtbar mit dem ganzen Wachsthume sich zu vereinigen. So sind denn diese Nachklänge nur in vereinzelten späten Gemara- und Midraschimstellen zu finden; sie bleiben ohne Zusammenhang mit der Gesammtanschauung, sind zum Theil erst noch durch das Christen- Lhum vermittelt dem Judenthum bekannt geworden. Eine entschiedene und hoch hinaufragende Entlehnung scheint jedoch, wie auch Fr. hervorhebt (72 f.), ״die Bezeichnung Gottes als des Ortes der Welt, auch des Ortes (tonoq, בלקום) schlechthin" zu sein. Diese unverkennbare Analogie ist daher schon längst hervorgehoben, und habe auch ich bereits vor etwa 30 Jahren in den Glossen zu meinen ״Lesestücken aus der Mischnah", S. 118 f., und zwar für Philon auf Dähne's jüdisch-alexandrinische Religionsphilosophie I. S. 282, für die Kirchenväter auf Strauß' christliche Glaubenslehre I. S. 550 hingewiesen. Bei genauerer Betrachtung ergiebt sich jedoch, daß man gerade bei dieser sehr nahen Aehnlichkeit sich sehr wohl hüten muß, in ihr rasch eine palästinische Entlehnung vom Hellenismus finden zu wollen. Man bedenke nämlich, daß בלקום in der palästinischen Literatur der ganz übliche Ausdruck für Gott ist, geradezu zu seiner Bezeichnung gesetzt wird, während die hellenistische Literatur durchaus nicht ronog schlechtweg für Gott setzt, sondern davon nur Gebrauch macht in philosophischer Erörterung oder eigentlich in der Shmbolisirung von Bibelstellen, bei welchen Philon Gott in den rcnog hineindeutet, ohne daß Das allgemeiner Sprachgebrauch ist. בלקום für Gott ist daher kein von Alexandrien nach Palästina Eingewanderter, sondern ist auf palästinisch-jüdischem Boden heimisch, es ist der Zwillings- oder Drillingsbruder von ״ ,דעגבליםder Himmel", der etwas älter, und ,שכיכדל ״Wohnung", der etwas jünger, die beide gleichfalls für Gott gebraucht werden. Diese Ausdrücke verdanken nämlich ihre Entstehung der heiligen Scheu, mit der man sich enthielt, den Namen Gottes auszusprechen, und Umschreibungen dafür wählte, die einen an sich gleichgültigen Sinn haben, aber durch den Sprachgebrauch

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