Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 11 (1875)
- Issue
- 3-4 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 227 (sequence 67)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Umschau. 227 erfahren, wie er, seine Sorgfalt den jüdischen Ueberresten aus jener Literatur zuwendend, aus den breiten, meist planlos zusammenwürfeinden Sammelwerken kleine Stücke auszuschälen, sie mit aller Umsicht und feinfühlig zu bestimmen und zu verwerthen versteht, und wir dürfen daher die vorliegende Abhandlung, die die Vorzüge seines Verfahrens in so reinlicher Ausarbeitung wieder darlegt, mit Freuden begrüßen und der Erfüllung des Versprechens, ihr bald weitere Schwestern folgen zu lassen, begierig entgegensehen. Freilich trägt diese ganze spätgriechische Literatur das Gepräge des Verfalles an sich, welchen die Zeit geistiger Ermattung allen ihren Produkten aufdrückt; kindische Greisenhaftigkeit, Zusammenraffen von Ansichten und Mittheilungen von allen Orten her ohne eigenes Durchdringen, ohne Urtheil und Geschmack, ohne das erwordene Wissen zu einem einheitlichen Eigenthum zu machen, ist der herrschende Charakter dieser Literatur, so daß albernster Märchenglaube neben Bildung auftritt, die widerspruchvollsten Annahmen und Berichte geschwätzig einander ablösen. Wie der Inhalt den sinkenden Geist bekundet, so die Form den sinkenden Geschmack; triviale Nüchternheit wechselt mit Schwulst, und die charaktervolle Orginalität fehlt dem Ausdrucke. Selbst die jüdisch-alexandrinische Philosophie ist nur insofern ein Neues, als sie Unverträgliches mit einander verschmelzen will, es aber blos bis zu einem unvermittelten Nebeneinander bringt; während sie den Anlauf nimmt, die spröde jüdische Ueberlieferung durch Symbolisirung und Allegorisirung geschmeidig zu machen, hält sie dennoch wiederum an Thatsachen und Satzungen in ihrer Aeußerlichkeit fest. So hat denn auch sie, in Philon und dessen zahlreich uns erhaltenen Werken einen ausnahmsweise hochbegabten und sittlich energischen Vertreter wie ihren vollendetsten Ausdruck gefunden, ihre geschichtliche Einwirkung nur daran geübt, daß sie einige gar seltsame, an schwebender Unklarheit leidende Vermittlungsversuche zwischen philosophischem Denken und gläubiger Annahme in das Christenthum bald nach seiner Entstehung und dann bei seiner frühen Entwicklung hineingetragen hat, die dann weiter mit dem glitzernden Scheine geistreicher und tiefsinniger Betrachtung ein unsicheres Helldunkel zu erhalten und zu verdichten beitrugen. In das palästinische .Judenthum sind diese hellenistischen Anschauungen nicht eingedrungen, und haben sie demnach — sehr verschieden von der spätern jugendlich aufstrebenden arabischen Bildung — eine Einwirkung auf die dauernde Ent- 15 *