Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 11 (1875)
- Issue
- 3-4 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 221 (sequence 61)
- Language
- German
- Belongs to
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Umschau. 221 ein solches Werk zu machen berechtigt ist, daß es nämlich die zur Geltung gelangten wissenschaftlichen Ergebnisse aufnimmt, vollkommen entspricht, sich wissenschaftlich über einzelne Punkte auseinandersetzen zu wollen. Man könnte höchstens es auffallend finden, wenn der Bericht des Erzählers in 1 Kön. 11, 11 f. über die Drohung Gottes an Salomo so ernst genommen wird, daß der Vers. (S. 59) sich zu erklären veranlaßt sieht, sie sei nicht als direkte Offenbarung Gottes an Salomo, sondern als ein prophetischer an ihn ergangener Spruch aufzufassen, und er in Anm. 2 gar die Ansicht Ewald's beibringen zu müssen glaubt, das sei durch den Propheten Achia geschehen. Man kann vielleicht es als Flüchtigkeit bezeichnen, wenn der Vers. פאעז Amos 4, 10 mit ״in Feuer" übersetzt (S. 103), als ungenauen Ausdruck, wenn er S. 106, Anm. 1, sagt: am Neumond ist verboten, Geschäft zu treiben. Für die Jgnorirung des ״Thikkun Soferim", Hab. 1, 11 (S. 218), Jer. 2, 11 (S. 233 und Anm. 6) und sonst, hat er Genossen genug, obgleich wir darin die ungerechte Abweisung einer wichtigen Ueberlieferung erblicken müßen; wenn er die, meiner Ueberzeugung nach, einzig richtige Lesart Jes. 63, 6 ואברים, ich speie sie wie ein Trunkener aus, die schon Luzatto erkennt, mit Stillschweigen übergeht (S. 345 und Anm. 2), und demgemäß auch die eigentliche Bedeutung von ואבוה verkennt, so folgt er ebender herkömmlichen Auffassung. Ganz am Unrechten Orte wäre es, hier die Frage zum Austrage bringen zu wollen, ob die Weissagung über Aegypten am Schluffe von Jes. 19 dem alten Propheten angehöre oder ein Stück aus alxeandrinischer Zeit sei, ob die Schlußkapitel im Zacharias als vorexilisch zu betrachten oder vielmehr der griechischen Zeit beizulegen sind und Aehnliches. Der Berf. konnte mit vollem Recht bei zweifelhaften Fragen sich für die eine oder die andere Ansicht entscheiden, ja er mochte es für geboten halten, der Meinung, welche überwiegend unter den Stimmgebenden gilt, sich anzuschließen und andere Aufstellungen, die um ihre Anerkennung noch erst ringen, sich fern zu halten. Das ist ja eben das wesenhafte Verdienst des Buches — und das müssen wir nachdrücklich betonen — daß es die Resultate, zu welchen die unbefangene Forschung mit ziemlicher Uebereinstimmung geführt hat, ganz unumwunden, ohne schwächliche apologetische Verdunkelung, aufnimmt und so nach seinem Theile zum Gemeingute macht. Der Verf. erkennt es und spricht es mit Bestimmtheit aus,