Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 11 (1875)
- Issue
- 3-4 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 220 (sequence 60)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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220 Umschau. durch als auch durch das Schema der Einteilung wird der Zweck der Geschichte verfehlt. Der Einblick in die geistige Entwicklung, welche diese gewähren soll, 'wird gestört, wenn, nachdem zuerst die poetische Literatur von ihren Anfängen bis zum Abschlüsse geführt worden, nunmehr wiederum bei der prophetischen von vorne begönnen wird, und da diese nun uns weit hinunter bis zur Makkabäerzeit geleitet, müssen wir darauf gefaßt sein, bei der geschichtlichen und gesetzlichen Literatur wieder zu den dunkelsten Anfängen zurückzukehren. Allein die geistige Bewegung, welche man so in verschiedene Literaturgruppen zerfällt, bleibt ja eine in sich zusammenhängende, die eine Seite ist von der andern nicht losgelöst, es stehen vielmehr die gleichzeitigen Werke, wenn der Charakter derselben auch verschieden ist, im engsten Zusammenhänge, sie ergänzen einander und eröffnen erst in ihrer Verbindung das rechte Verständniß der ganzen Zeit. Der Verf. sucht dem Uebelstand allerdings durch Verweisungen abzuhelfen, allein diese decken denselben nur mehr auf. Was kann es nützen, wenn in diesem Bande auf die nun schon vor Jahresfrist gelesenen Erörterungen im früheren Bande über die poetischen Bücher verwiesen, oder gar wenn dem Leser verheißen wird, daß im folgenden Bande, in der Ausführung über die geschichtlichen und gesetzlichen Bücher Weiteres nachgebracht werden wird? Dem uneingeweihten Leser werden z. B. die vielen Ver- Weisungen auf die pentateuchischen Bücher, zumal über die Verschiedenheiten zwischen ihnen und Ezechiel (S. 305), oder die Parallele zwischen dem Jonas-Büchlein und Esther (S. 379) u. dgl. immerhin völlig dunkel bleiben, da über Pent. und Esther erst gesprochen werden soll. Ueberhaupt ist dadurch das Moment der Entwicklung fast gänzlich aus den Augen gerückt. Der Kernpunkt einer solchen Geschichte der Literatur sollte ja eben darin bestehen, recht klar darzulegen, wie das religiöse Bewußtsein, die Vorstellungen über Gott die Ansicht von dem Werthe der religiösen Verrichtungen sich entwickelt und umgestaltet haben, wie das geistige Wachsthum, Veredlung und Verfall, geläuterte und getrübte Erkenntniß, Verinnerlichung und Veräußerlichung ihren Ausdruck in der Literatur fanden. Dazu aber wird fast ein jeder Anlauf vermißt. Jedoch wir wollen auf das Buch aus anderem Zwecke die Aufmerksamkeit lenken und glauben mit dieser kurzen Bemerkung der Pflicht der Unparteilichkeit genügt zu haben. Viel weniger ziemt es mit einem populären Werk, das die Anforderung, die man an