Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 11 (1875)
- Issue
- 3-4 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 219 (sequence 59)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Umschau. 219 Geiger sucht Strauß nachzuweisen, daß ihm zu dem Bilde, welches er Von Jesus zeichnet, jegliche Berechtigung ermangle, da er dasselbe nicht auf Grund von geschichtlichen Handlungen, sondern nur von Lehren und Sprüchen herstelle, von denen die einen nicht inhaltschwer genug sind, um daraus eine so hohe Anschauung von der Persönlichkeit Jesu abzuleiten, die andern aber gar nicht einmal von Jesu selbst herrühren, sondern von Rabbinern entlehnt sind. Und in der That, Geiger hatte damit die Achillesverse in den! Buche von Strauß nur zu gut getroffen; wenn für die Auffassung Jesu keine andere Anhaltspunkte bestehen als die Sprüche, die er ihm mit völliger Wahrheit zuschreiben zu dürfen glaubt, dann ist die ganze Apotheose, mit welcher Strauß den Stifter des Christenthums feiert, hinfällig." 35. Geschichte der jüdischen Literatur. Von des Hrn. Dr. David Cassel ״Geschichte der jüdischen Literatur^ ist der zweite Band erschienen; er bildet den zweiten Abschnitt der ersten Abtheilung; von der biblischen Literatur, die in dieser behandelt wird, umfaßt er die prophetische Literatur, während ein erster Abschnitt und Band die poetische Literatur zu seiner Aufgabe hatte, die historische und gesetzliche Literatur weiteren Bänden Vorbehalten find. Wir haben nicht die Absicht, kritisch in das Buch einzugehen, obgleich es sehr Wohl vor dem Forum der Kritik Zu bestehen vermag. Das Buch will dem größern gebildeten Publikum zugänglich sein, hat daher eine populäre Haltung, enthält sich, wenn auch auf selbstständigen Studien beruhend, alles gelehrten Beimerkes, tiefer eingehenden Forschungen, und ist die Sprache dem Zwecke angemessen, würdig und faßlich. Freilich ist die Anlage für eine populäre Schrift gar zu breit. Indem die biblische Literatur allein drei bis vier starke Bände umfaßt — der vorliegende enthält 396 Seiten — so muß das ganze Werk einen Umfang einnehmen, den ein Lesepublikum nicht bewältigen kann, der eine Uebersicht und einen Gesammteindruck durchaus nicht zuläßt. Das ist keine Geschichte der Literatur, das ist ein bis zum Luxuriösen gesteigert starker Auszug sämmtlicher Schriften, indem eine jede in ihr ganzes Geäder verfolgt und nach allen ihren Theilen in reicher Auswahl übersetzt dargeboten wird. Das sollte doch gerade bei biblischen Schriften, die so allgemein zugänglich sind, nicht geschehen. — Sowohl da-