Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 11 (1875)
- Issue
- 3-4 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 213 (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
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Umschau. 213 Schärfer noch zieht der Verfasser in der zweiten Schrift zu Felde gegen den fortdauernden Unterricht in der biblischen Geschichte. Und hier müssen auch wir offen gestehen, daß hier ein Wunder Fleck auch für die Bekenner des Judenthums ist. Denn es bleibt immer bedenklich, wenn in die Kindesseele nicht blos kritisch sehr Beanstandetes als Thatsache, und zwar als heilige, als Lehrsaat gelegt wird, sondern auch Thatsachen und Lehren, die nicht frei von sittlichem Anstoße sind, bald als Anleitung für's Leben gegeben oder doch Männern beigelegt werden, für die die höchste Verehrung verlangt wird. Auch ich bekenne mich daher ohne Scheu zur Ansicht, daß der Unterricht in der biblischen Geschichte auch für die Kinderwelt unter den Juden einer sehr wesentlichen Umgestaltung, namentlich der Beschränkung im Inhalt und Umfang, bedarf, daß die genauere Bekanntschaft mit derselben dem Zeitpunkt größerer Reife Vorbehalten bleibe, zu welchem dann auch alsbald zu einer unbefangeneren Auffassung angeleilet werden kann. Die Gründe, warum der Verfasser sich in seiner Betrachtung auf die jüdische Bibel beschränkt und sie nicht auch auf das ״neue Testament" ausgedehnt hat, sind allerdings nicht ausreichend; die vielfachen Verhandlungen über dieses konnten ihn der Arbeit nicht überheben, da man noch ungescheuter mit dem ״alten Testamente" Verfahren ist und das ״neue" von Keinem mit der Derbheit und Rücksichtslosigkeit behandelt worden, die des Verfassers Eigenart ist. Doch soll damit nicht der Vorwurf gemacht werden, daß der Verfaffer nach der Seite hin etwa sich verhüllen wolle; er spricht gelegentlich ebenso unbefangen von ״neutestamentlichen Wundererzählangen und dunklen Epistel-Abschriften", er freut sich dessen, daß ״Renan die ganze Geschichte mit Bethlehem (als Geburtsort Jesu) für ein Märchen erklärt, das nachträglich erfunden wurde; wozu? ist leicht zu denken (als Erfüllung einer Weissagung im Propheten Micha)". Er sagt nicht minder: ״Ich gebe gerne zu, daß das Judenthum (will sagen: die göttliche Verehrung der jüdisch-biblischen Schriften) nicht allein als Ursache der religiösen Stagnation zu denken. Es ist ja bekannt, was in dieser Beziehung das Christenthum, oder richtiger das confessionelle Kirchenthum, geleistet hat." Doch sieht man schon aus dem letzten Satze, daß der Verfasser mit dem Christenthum säuberlicher verfährt. Jedoch es gilt hier nicht ein ausführliches Urtheil abzugeben und zu begründen; dafür bieten die Schriftchen inhaltlich zu wenig.