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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1875-01-01 · 3-4 (1875) · p. Seite 212

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
11 (1875)
Issue
3-4 (1875)
Date
1875-01-01
Page
Seite 212 (sequence 52)
Language
German
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212 Umschau. Bericht für Eltern, Lehrer und Alle, denen die moderne Erziehung nicht gleichgiltig ist. Von Richard Wagner jr., Verfasser mehrerer zukunftsfreiheitlicher Schriften (das. 24 S.). Beide sind Wohl aus einer Feder geflossen, und die Namen, welche dem Verfasser beigelegt werden, sind blos andern Schriften entlehnt, die in ähnlichen Gedanken, aber auf andern Gebieten sich bewegen. Die Schriftchen beurtheilen vom Standpunkte eines hausbacknen Menschenverstandes die biblischen Schriften und deren Brauchbarkeit für die Schule. Einen solchen nüchternen Verstand, wenn er ein gesunder ist, wie er unserm Verfasser sicher nicht abgesprochen werden kann, wollen wir wahrlich nicht vornehm abweisen, nur halten wir ihn nicht für ausreichend, um eine so bedeutsame culturgeschichtliche Erscheinung voll zu würdigen. Freilich ist der Christ in einer ungünstigern Lage bei der Beurtheilung dieser Schriften. Ihm sind sie lediglich als Schriften zur Entwickelung der Glaubens- und Sittenlehre übergeben, und wenn sie ihm da neben Herrlichem auch Schattenseiten zeigen, so empört er sich dagegen, wenn er seine Vernunft nicht gefangen gegeben, und er fragt trotzig: wozu diese Judenschriften? Dem Juden sind sie die Zeugnisse der großartigen Geistesentwickelung, welche in seinem Stamme und seiner Genossenschaft sich vollzogen, und sie bleiben ihm auch mit Einschluß der schwächeren geschichtlichen Uebergänge ein köstliches Gut, ein Erbe aus dem großen Gange der Zeiten, das ewige Lebenskraft enthält, wenn es auch nicht von Vergänglichem frei ist. Wir werden daher die harte Behandlung, welche die biblischen Schriften von dem Verfasser erfahren, wenn wir sie auch nicht unparteiisch gerecht finden, namentlich nicht in dem höheren culturgeschichtlichen Sinne, doch milder zu beurtheilen haben, zumal wenn wir sehen, daß er für Bedeutendes und Sinniges in ihnen sich wohl sehr empfänglich zeigt, wie wir auch am Schlüße der ersten Schrift lesen: ״Indem wir die heiligen Schriften der Juden einer Kritik unterzogen, wollten wir dieselben durchaus nicht verächtlich machen; wir suchten blos nachzuweisen, daß der Nimbus, mit dem sie häufig umgeben werden, keine Berechtigung hat. Wir wünschen sehr, daß man auch in der Bibel einmal die Spreu vom Weizen sondere, das Unhaltbare aufgebe und das Werthvolle um so sicherer stelle. Damit würde dem noch immer ehrwürdigen Buche ein größerer Dienst geleistet, als durch seine einseitige Vergötterung, die in unseren Tagen geradezu lächerlich geworden".

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