Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 11 (1875)
- Issue
- 3-4 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 209 (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Umschau. 209 neben einander Vorkommen, wie Hr. Fr. genügend belegt *), so wäre doch hier zur Erwähnung des Lahmen keine Veranlassung. Der nachbiblische Ausdruck für ״blind" ist, wie bemerkt, neben dem althebräischen und gebräuchlicher als dieser der aramäische סומא, wovon auch Piel blenden und Nithp. blind werden, von Menschen, und Nifal vom Auge gebraucht (M. Sebachim 7, 5, Bechoroth 5, 5, vgl. auch Thoß. Baba mezia e. 6: סמויות עיניהם). Es scheint nach manchem thalm. Sprachgebrauche in Sätzen wie סבלו־י בלן העין und סמי מכאן ursprünglich zu bedeuten: (dem Anblicke) entziehen, verdecken, und so dürfte auch das aram. סיבלתא, Schatz, eig. Verborgenes (נלטבלון), damit in Zusammenhang stehen. Interessanter aber und zur Erklärung eines bisher dunkel gebliebenen Wortes dienend ist die Wahrnehmung, wie im Aramäischen die verschiedenen Gebrechen zuweilen die Bezeichnung von einander entlehnen. Schon daß verwittwet im hebräischen, אלבלן und אלמנה, mit אלם, stumm zusammenhängt, im Syrischen dafür auch j.9c&J0 (Didascalia 64, 13) und iftvL/ öorfommt (Carm. Nisib. 1, 37), wo demnach verwittwet und blind zusammengestellt wird, beweist, daß diese Hauptgebrechen bei der Anwendung auf damit in Vergleich gebrachte Lebensverhältnisse und Seelenstimmungen mit einander alterniren. Aber noch bestimmter giebt sich dies kund, wenn der Syrer für צרלע Gen. 32, 51 setzt, also den gemeinhin für blind gebrauchten Ausdruck auf den Hinkenden, Lahmen anwendet. Das nun ist auch wohl das noch unerklärte אבן מסמא, das M. Chelim 1, 3, Sifra Mezora, Sabim, Sifre Ans. und sonst vorkommt; es ist der Stein des Hinkenden, der dem durch einen Hüftenbruch an einer Seite Schwankenden beim Sitzen zur Stütze dient. Auch sonst verlangen die vielen hier in Betracht kommenden Ausdrücke noch genaue Vergleichung mit dem Sprachgebrauche der verwandten Dialekte, durch welche mannichfache Berichtigungen und gesicherte Bedeutungen sich ergeben. Wie zu erwarten, ist hingegen der Abschnitt über das Verhältniß des Blinden in Betreff seiner religionsgesetzlichen Befugnisse und Verpflichtungen mit ebensoviel Sachkenntniß wie kritischem Blicke behandelt (S. 30—35 nebst Anmerkungen 51 — 83 S. 56 f). *) So auch M. Peah Ende, und ist daselbst wohl לא דזגר, weil es neben dem späteren ולא פסה tautologisch ist, nicht mit Fr. (S. 57 Anm. 88) zu streichen, sondern eher in לא חרטג zu elnendiren. Vierteljahresschrist XI. 3. 4. 14