Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 11 (1875)
- Issue
- 3-4 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 208 (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
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208 Umschau. ist der biblische Sprachgebrauch Jes. 35, 5, und selbst der späte Bammidbar rabba e. 18 hat: M12 אחד פקח ואחד. Blicken wir auf diese sprachliche Entwickelung zurück, so ist offenbar gar keine Berechtigung dafür vorhanden, in dem פקח Exod. 4, 11 etwas Anderes als den Gegensatz zu עוד zu sehen, und muß selbst die Annahme des Schemoth r. z. St. wie Aben Esra's, des Proselyten Isaak beim Glossator zu Bechor Schor, Mendelssohn u. A., das., als bilde es auch den Gegensatz zu 2חרנ, abgewiesen, vielmehr an der Auffassung der Thoß. Chagigah 26 *) festgehalten werden, wonach 22 פח) den Gegensatz zu dem Stummen (Gebundenen, an der Zunge Gelähmten, אלם) und dem Taubstummen bildet und פקח lediglich zum Blinden. Ich kann daher mit der abweichenden Auseinandersetzung des Hrn. Fr. (S. 48 Anm. 1) durchaus nicht übereinstimmen. Von irrigen Voraussetzungen ausgehend, will er פקח in Ex. 4, 11 mit ״lahm" wiedergeben, indem er es nämlich פ2ח gleichstellt. Wenn er dies damit rechtfertigt, daß ״gleiche etymologische Bedeutung beiden Wurzeln zu Grunde liegt", so klingt das ziemlich unverständlich und soll wohl am Ende die Annahme verschleiern, daß man פקח in פהח zu verbessern habe. Allein dieser Aenderungsvorschlag hat durchaus keine genügende Veranlassung; es war dem Schriftsteller ja hier durchaus nicht um die Aufzählung aller Hauptfehler zu thun, kaum ist die Blindheit mit ihrem Gegensätze hier wohl angebracht, wozu also noch die Lahmheit hineinconjiciren? Hr. Fr. will eine Stütze in einer Midraschstelle, nämlich zu H. L. 7, 5 finden, wo angegeben wird, die Anklage des Moses vor Pharao sei dadurch vereitelt worden, daß die Ankläger stumm, taub, blind und lahm geworden seien. Allein Hr. Fr. muß selbst zugeben, daß die älteren Quellen, allen voran Mechiltha Amalek (Jithro) e. 1 und jer. Berachoth e. 9, von den Lähmungen Nichts wissen, deren Hinzufügung im Midr. zum H. L. daher blos eine spätere weitere Ausschmückung der Legende ist, ohne einen Beleg im Bibelverse vorauszusetzen. Wenn nun auch nicht zu verkennen ist, daß, wo es sich überhaupt darum handelt, die Gebrechen der Menschen aufzuzählen, die vier genannten oder auch besonders die zwei körperlich sichtbarsten, Blindheit und Lahmheit *) Die Thoß. beziehen sich auf Bereschith r. ohne nähere Angabe; nun wird 6.1 zwar unsere Stelle angezogen, aber doch nicht in dem Sinne, den Thoß. hervorheben.