Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 11 (1875)
- Issue
- 3-4 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 195 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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Ümschaü. 1Ö5 lich ganz zusammenfiel. Bestehen solchen geschichtlichen Thatsachen gegenüber vage Behauptungen? Diese einleitenden captationes benevolentiae sollten doch endlich einmal aus ernsten schriftlichen Darstellungen schwinden! In der That schwinden sie für den Vortrag selbst dahin und kehren nicht mehr wieder. Vielmehr ist ihm ein merkwürdiger Ausspruch zu entnehmen, der, weil absichtlos, um so bedeutsamer ist (Beil, zum 15., S. 3543): ״Der Pionier der deutschen Cultur ist stets der Jude!" 19. August 1874. 23. Kuenen über unfern hebräischen Bibeltext. ״Die Geschichte des Textes des alten Testaments schwebt zum guten Theil im Dunkel." DiesenWorten, mit welchen Kuenen seine neuste Abhandlung*) beginnt, werden wir sicher nicht widersprechen. Auch er erkennt an, daß unser heutiger Text demjenigen der ältesten thalmudischen Denkmale vollkommen, mit nur geringen Ausnahmen, entspricht, daß er demnach ein Alter von gegen 1800 Jahren hat, daß er ferner gegenüber den Abweichungen, wie die Uebersetzungen und die Samaritaner sie darbieten, der überwiegend zuverläßigere ist. Höher hinauf reicht jedoch unsere Sicherheit nicht, vielmehr ist die Annahme unabweisbar, daß unser Text nicht die ursprüngliche Gestalt bewahrt hat, welche die Schriftsteller ihren Werken gegeben, daß vielmehr das Volk in seiner Gesammtheit, die Träger des geistigen Lebens in jenen alten Zeiten an den ihnen überkommenen Geistesarbeiten der Vorgänger vielfach hinein- und umgearbeitet haben. Das ist an ganzen Büchern und einzelnen Theilen derselben bereits auf's Schlagendste nachgewiesen, es wird, wenn die richtigere Methode, der Einblick in die leitenden Motive an Vertiefung und an Anerkennung gewinnt, noch viel mehr zum Bewußtsein kommen; doch werden in vielen Stücken die Zweifel nicht beseitigt, die Vermuthungen nicht zu überzeugender Wahrscheinlichkeit erhoben werden können. Hr. K. geht vorzugsweise auf die Widerlegung einer gegnerischen Ansicht Lagarde's ein, der nämlich von einer seltsamen Voreingenommenheit gegen den vorliegenden hebräischen Text be- *) De Stamboom van den massoreüschen Tekst des O. Testaments. Door A. Kuenen. Overgedruckt uic de VersLagen en Mededeelingen der Konieklijke Akademie van Wetenschappen, Afdeeling L et terkünde,2 ׳. Reeks, Deel HI, Amsterdam. Van der Post 1873, 51 Seilen. 8. 13*