Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 11 (1875)
- Issue
- 3-4 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 190 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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190 Umschau. 22. Scartazzini über den Einfluß des Christenthums auf die gesammte Culturentwickelung. Man hat bis in die neuere Zeit hinein, selbst nachdem man den Glauben an die unfehlbare Wahrheit der christlich-religiösen Behauptungen aufgegeben, doch als eine unbezweifelbare Thatsache festgehalten, daß das Christenthum die Mutter der modernen Bildung sei, und es seinen erziehenden und veredelnden Einfluß auf die Menschheit in der Erweckung von Wissenschaft und Kunst, von Gesittung und wahrem Menschthum bewährt habe. Es sind nun zwar von jüdischer Seite dagegen sehr gewichtige Bedenken erhoben worden, doch hat man diese als den Ausbruch verstockter Feindseligkeit kurzweg abgewiesen. Um so beachtenswerther dürfte deßhalb eine christliche Stimme sein, die mit größter Unbefangenheit ihre von der landläufigen abweichende Geschichtsauffassung darlegt. Herr Prof. Scartazzini nämlich in Chur, ein Gelehrter, dessen vielseitige wissenschaftliche Thätigkeit ihm genügende Anerkennung sichert, bespricht in der ״Allgemeinen Zeitung", veranlaßt durch ein Werk seines Landsmannes, Domenieo Comparetti, ״Virgil im Mittelalter", und am Schlüße seiner Betrachtung sagt er (Beil, vom 6. Aug. Nr. 218): griechischen die Erklärung: oiopua xslqcjv r) Xaju7tddos (— nddcov). Man könnte für das sinnlose ״Mund der Hände" vermuthen, daß dabei an das chald. פס יךא gedacht worden, also לפס für die Hand. Allein da begegnen wir noch einer andern Deutung: ne^vy^ivn £; dieses, das geflohene Leben, mit Philippos in Verbindung zu bringen, will mir nicht gelingen. — Auf eine solche etymologische, sehr geschmacklose Spielerei habe ich schon Urschrift S. 53 Anm. aufmerksam gemacht, daß nämlich ein alter Glossator ״Pelischthim" mit 7trc5a1e Siaorj (wie zu lesen ist) wiedergiebt, nämlich als פל עותים, doppelter Fall. Schon Field verweist dabei auf Hieronymus, der in seinem Büchlein über d. Eigennamen Felistim (bei Lagarde: Filistiin) mit ceciderunt duo wiedergebe. Noch entsprechender hat derselbe an einer andern Stelle: ruina duplex. Für Filistin hat er ferner: eadeutes 8ive ruina poculi aut cadentes potione, wo עגתד, trinken, herangezogen wird. Hingegen hat das griech. Onomastikon, für *Pvltoneip blos ahXöcpvhoi, &av/LiaazoL, also für Letzteres פלא, Wunder, heranziehend, mit Ersterem die Uebersetzung in den spätern Büchern ausnehmend. Sollte dieses etwa auch schon eine solche etymologische Spielerei sein, indem nämlich der Anfang des Wortes yvl als griechisch beibehalten und der andere Lheil. mit d?J.os wiedergegeben wurde? Bei diesen alexandrinischen Darschanim muß man sich ebenso wie bei den palästinischen aus Alles gefaßt machen. G.j