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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1875-01-01 · 3-4 (1875) · p. Seite 184

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
11 (1875)
Issue
3-4 (1875)
Date
1875-01-01
Page
Seite 184 (sequence 24)
Language
German
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184 .Umschau. Augenblick darüber verwundert, daß ein solcher Sturmlauf das Christenthum nicht erschüttert hat. Vielmehr wird es uns aus ihr recht klar — und das eben ist das Interesse, welches sich für uns an dieses schriftstellerische Denkmal knüpft — wie die Zeit so arm gewesen sein mußte an Lebendigkeit und Kräftigkeit des Gedankens, an Innerlichkeit und schöpferischem Drange, daß einer ihrer Besten, wie es offenbar Celsus war, ein befähigter Denker, ein umfassender Gelehrter, ein gewandter Schriftsteller, so wenig zu einer durchgearbeiteten Ueberzeugung gelangen konnte, sich begnügte mit abgeblaßten überkommenen Anschauungen, mit Annahmen, für welche der rechte Glaube fehlte, und an die man dennoch verzweifelt sich anzuklammern versuchte. In diesem Abfinden mit dem Herkömmlichen, das seinen Inhalt längst eingebüßt, zeigt sich die ganze Dürre der Zeit, das Absterben einer Culturperiode, und dieser Umstand erklärt uns, wie dieser abgestandenen geistigen Nahrung gegenüber der neue Glaube mit seiner Leidenschaftlichkeit, seiner eifervollen Energie, das äußere Leben hart meisternd, wie den Geist durch die schroffe Verwerfung vernünftigen Denkens wahr- Haft geißelnd, dem verdorbenen Geschmacke pikant, den ermatteten Geistern ein willkommener Retter sein mußte. Der Ekel, welcher uns heute ergreift, wenn wir bei Celsus und Genossen das ewig wiederkehrende fade Gerede von den Dämonen lesen, mit denen man sich als Mittelwesen gut stellen müsse, denen man deßhalb Erstlinge und Opfer darzubringen habe und dgl., während sich die stumpfe Bornirtheit in albernen Witzeleien ergeht über den Einzigen, Höchsten, Himmlischen, den allein das Judenthum und nach ihm das Christenthum verehrt — derselbe Ekel mußte auch die damalige Welt allmälig von dem schalgewordenen überkommenen Abhube entfernen. Unfähig sich aus sich selbst zu verjüngen, mußte sie eine irgendwoher sich ihr darbietende Ueberzeugung von ursprünglicher Kraft ausnehmen, mochte sie noch so fremdartig sein, ihr noch so harte Zumuthungen auferlegen; sie mußte sich den seltsamsten Anforderungen an den gesunden Menschenverstand, richtiger gesagt dessen Opferung unterwerfen, da es ein Entrinnen aus der unleidlichen Leere galt. Das Judenthum freilich war zu national geartet, war in seinem Kampfe gegen ein erbliches veräußerlichtes Priesterthum in seiner Gesammtheit dahin gelangt, über alle Gläubigen ein Priestergewand zu werfen, das von den beschwerlichsten Satzungen gewebt, zu einer drückenden Last wurde.

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