Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 11 (1875)
- Issue
- 3-4 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 181 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2420973-2421010-2421012--3429-2424282- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Umschau. 181 Herzensfrüchten des Judenthums sich genährt, auch dann noch mit warmer Empfindung dafür erfüllt sind, wenn sie selbst im Drange nach umfassenderer Wirksamkeit dem engeren Verbände sich später entzogen haben. Einem über alle Sonderungen sich erhebenden Menschthum nachstrebend, mögen sie zuweilen unmuthig über die Enge, in welcher die Genossen des Judenthums verharrten, ein geringschätziges, ja tadelndes Wort ausgesprochen haben, und doch kehrt, bei eingetretener Beruhigung, die milde Betrachtung wieder in das nicht erkaltete Herz ein. Wir haben in der Aufschrift zwei hervorragende Namen genannt; ihre Stellung zu den Juden, im Ausdrucke wechselnd nach der Lebhaftigkeit augenblicklicher leicht erregter Empfindung, ist hinlänglich bekannt. Ein trauliches Wort aus Briefen, die keine Bestimmung für die Oeffentlichkeit hatten, enthüllt die tiefe Grundstimmung noch mehr. Ein solches wird uns in ״Gedenkblättern" mitgetheilt, welche ״aus Joseph Lehmann's Nachlaß" dessen Schwiegersohn Lehfeldt in Rodenbergs Salon (Heft 9) veröffentlicht. Unter dem 5. Oet. 1854 schreibt Heine an Lehmann in ganz gelegentlicher Anknüpfung: ״Die Juden überhaupt sind geistig zurück und nicht moralisch zurück. Eine große Civilisation des Herzens blieb durch eine ununterbrochene Tradition von zwei Jahrtausenden. Ich glaube, sie konnten deßhalb so schnell theilnehmen an der europäischen Cultur, weil sie in Betreff des Gefühls nichts zu lernen hatten und nur das Wissen sich anzueignen brauchten." — F. Lewald aber äußert sich in Betreff der von ihr herausgegebenen ״eignen Lebensgeschichte", sie glaube mit diesem Buche ״ein würdiges Bild des jüdischen Geistes- und Familienlebens gegeben zu haben", und sie fährt fort: ״Von der ״Jenny" an habe ich es in allen meinen Arbeiten als eine Aufgäbe angesehen, direct und indirect gegen die Vorurtheile der Deutschen und für die Emaneipation der Juden zu arbeiten, und auch der Roman, den ich jetzt nach Beendigung der Lebensgeschichte wieder ausgenommen, wird dazu einen Beitrag liefern." 9. Juni. 18. Conjecturen, zu Stellen in den Psalmen. Die Academy vom 1. Juli bringt Vorschläge zu Textesänderungen in einzelnen Stellen der Psalmen von Hrn. Dunean