Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 11 (1875)
- Issue
- 3-4 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 170 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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170 Umschau. und die Namen der Kleidungsstücke ihre Erklärung aus den mannigfaltigsten Sprachen finden, so daß diese Untersuchung auch von der sprachlichen Seite eingehend wird. Hr. Dr. Adolf Brüll hat eine solche Arbeit unternommen unter dem Titel: Trachten der Juden im^nachbiblischen Alterthume. Ein Beitrag zur allgemeinen Costümkunde, von welcher nun ein erster Theil vorliegt (Frankfurt a. M. St. Goar. 1873. VI. u. 90 Seiten. 8). Einleitend bespricht der Vers. Stellen, aus welchen hervorgeht, welcher Werth auf anständige Bekleidung gelegt worden, und werden dann im Folgenden genauer die Unter- und Obergewänder wie die Beinkleider nach den verschiedenen ihnen beigelegten Benennungen erörtert. Es geschieht dies eingehend und gründlich, mit dem richtigen Sprachtakte, welcher meistens zu der richtigen Auffassung der uns oft sehr verunstaltet zugekommenen Wörter anleitet. Es lassen sich, wie der Verf. richtig zum Schlüsse bemerkt, geschichtliche Ergebnisse über die Zeit und den Wechsel der Kleidungsstücke nicht weiter ziehen, als sie aus den Benennungen und aus deren Beziehung zu den verschiedenen Völkern hervorgehen. Doch dürfte vielleicht noch eine allgemeine Bemerkung sich anschließen lassen. Bei einer früheren Betrachtung J) ergab sich uns, daß in älterer Zeit die pharisäische Demokratie zugleich mit ihrem Kampfe gegen die vorherrschende Aristokratie um volle Gleichberechtigung auch gegen deren Verweichlichung und Prunksucht sich auflehnte. Als jedoch, zumal nach dem unglücklichen Ausgange des unter bar Khosiba unternommenen Aufstandes, alle Classen der Juden gleicher Erniedrigung verfielen, da gestaltete sich die Anschauungsweise dahin um, daß man nicht in Fernhaltung von aristokratischer Sitte die Bewährung der demokratischen Gesinnung suchte, sondern im Gegentheile mit einem gewissen Trotze gegen die Unterdrücker die ganze jüdische Gesammtheit zu „Aristokraten" erhob, allen den Charakter von „Königskindern" zuschrieb. Hielt man es früher für unpassend, wenn ein pharisäischer Gelehrter mit wohlriechenden Oelen sich salbe, so behauptete man später gerade, daß die Israeliten den „Königskindern" gleichstehen, die sich mit Rosenöl salben. — Eine ähnliche Gesinnungs-Umwandlung nun scheint in Ansehung der Kleidung eingetreten zu sein. Nach einer Stelle Diese Zeitschr. Bd. VI. S. 111 ff.