Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 11 (1875)
- Issue
- 3-4 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 164 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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164 Umschaunicht gedacht ist, während in diesem Büchlein S. 57—64 bereits fast Alles enthalten ist, was Rap. hier zusammenstellt. Von wirklichem Interesse ist es, aus diesen nunmehr an's Tageslicht tretenden, bis jetzt in verborgenem Gewahrsam gehaltenen schriftlichen Aufzeichnungen zu erfahren, wie tief Rap. sich mit biblischer Kritik eingelassen hatte, und wie er deren weitestgehenden Resultaten angehangen. So lesen wir auf S. 193 f. die Behauptung, der Vers Gen. 47, 28, in welchem so seltsam der Name Jakob auftrete zwischen zwei Versen, in denen der Name Israel vorherrsche, sei späterer Zusatz, da man vorder Erzählung vom Ende des Patriarchen es für angemessen hielt, seine Lebensdauer anzugeben. Ob diese Bemerkung eine bessere Stütze hat als die sehr lockere von dem Mangel an jedem leeren Raume am Anfänge der Paraschah Wajechi, bleibe dahingestellt. Jedenfalls hören wir von Zusätzen im Pentateuch aus späterer Zeit. Aber noch mehr! In einer Bemerkung, die sich an Josua 24, 12 anlehnt, wird (das. S. 194) als selbstverständlich angenommen, daß in der Genesis zwei Urkunden verschmolzen sind, deren eine einen elohistischcn, deren andere einen ihvistischen Ursprung habe, und zwar sei die erstere in efraimitisch-israelitischem, die letztere in judäischem Interesse abgefaßt. Diese Annahmen, die als Ergebniß hier kurz angedeutet werden, sind in zu knapper Form dargelegt und zu lvenig belegt, als daß hier darauf weiter eingegangen werden könnte. Allein schon die kurzen Worte beweisen, daß Rap. einen tiefen kritischen Blick in den Proceß der Entstehung des hebräischen Schriftthums geworfen. Wenn Hr. Kirchh. (©. 293 Anm.) für angezeigt hält zu bemerken, er könne nicht dafür bürgen, daß die Notiz, wie sie sich in dem Gedenkbuche R.'s wörtlich so finde, auch dessen eigene Ansicht ausdrücke oder aber etwa nur eine von einem Andern gehörte oder gelesene anmerke, so ist dies eine überflüssige und unberechtigte „Rettung". Rap. war bekanntlich peinlich darauf bedacht, sein geistiges Eigenthum sich zu sichern, er merkte daher sehr genau an, was er Anderen entnommen, um dann, wo er keine Quelle angebe, auch mit Bestimmtheit behaupten zu können, das sei Product seiner eigenen Forschung. Bei kühnen kritischen Annahmen, wie sie hier vorliegen, würde R., bei seiner sonstigen Aengstlichkeit, sehr dafür besorgt gewesen sein, die Autorschaft von sich abzu-