Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 10 (1872)
- Issue
- 3 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 237 (sequence 77)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus Briefen. 237 Literatur unkundig sind, sich auch des Urtheils darüber enthalten, mindestens darin sehr vorsichtig seien, und wir haben das Recht, diejenigen, welche trotz ihrer Unwissenheit mit maßloser Arroganz und Gehässigkeit ihr geringschätziges Urtheil auf den Markt bringen, dieser Unwissenheit zu bezüchtigen und sie aus dem Kreise redlicher billig denkender Gelehrter hinauszuweisen. Tritt aber gar die üble Absicht so plump hervor, wie wenn Hausrath eine Stelle des Jofephus, die er doch, weil griechisch geschrieben, verstehen konnte, wahrhaft mißhandelt, so ist das Verfahren noch weniger entschuldbar. — Ferner bleibt es denjenigen christlichen Gelehrten, welche die Entstehung des Christenthums behandeln, nicht freigestellt, ob sie die spätere Entwickelung des Judenthums beachten wollen; sie müssen die damaligen jüdischen Zustände kennen, um ein richtiges Urtheil zu gewinnen, und da ist wiederum der Anspruch gerecht, daß sie die jüdischen Quellen benützen. Wenn sie dies mit leichtfertiger Jgnorantenmanier und der Superiorität des Besserwissens thun, sich an parteiische secundäre Pfützen halten, so sagt man ihnen, daß sie nicht Hausrath, sondern Unrath herbeischaffen, und je besonnener und unbefangener sonst ein solcher Schriftsteller zu Werke geht, um so mehr hat die Klage ihren guten Grund. Allerdings ist das Verständniß jener jüdischen Quellen sehr schwierig, aber das überhebt nicht der Pflicht, sich dasselbe anzueignen, wenn man über Dinge entscheiden will, die nun einmal lediglich aus diesen Quellen erkannt werden können. Es ist zu bedauern, daß es an den zweckmäßigen Hülfsmitteln fehlt, welche das Verständniß erleichtern, zu bedauern, daß von Seilen der Juden, welche diese Kenntniß haben, nicht Genügendes dafür geschieht. Diesem Uebel wird sicherlich auch im Lause der Zeit abgeholfen werden. Aber auch hier trifft wiederum die Juden keine Schuld. Noch bis zur Stunde ist den Juden auf diesem Gebiete die freie Gelehrtenthätigkeit so gut wie verschlossen; es beschäftigen sich damit entweder mit amtlichen Geschäften überladene Rabbiner, oder Dilettanten; wie will man von denen umfassende, die vollste Hingebung eines ganzen Lebens verlangende Arbeiten erwarten? Sie meinen, wir mutheten Ihnen zu, in den entsetzlichen halachischen Discussionen mehr als eine Verschwendung von Geist an unwürdige Gegenstände zu sehen; sind dieselben wirklich unfruchtbar, so lassen Sie sie nur ganz ruhig bei Seite liegen. Sind sie