Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 10 (1872)
- Issue
- 3 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 235 (sequence 75)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus Brieten. 235 Uebereinstimmung derselben mit dem Syr. (d. h. im Ganzen und Großen). Mir ist alles wichtig, was die wirkliche Aussprache bezeichnet, aber völlig gleichgültig, was bloß für die künstliche, ser es schulmäßige, sei es gottesdienstliche Recitation betrifft (also der größte Theil der Accente). Ich glaube, im Grunde stimmen wir überein. Daß die Lehre von der hebr. Punctation, weil sie die Aussprache zu genau wiedergeben will, vielfach verworren und inconsequent wird, ist keine Frage. Hausrath's Buch kenne ich selbst nickt. Daß er ein geistreicher Mensch ist, der aber vom Orientalischen viel zu wenig weiß, habe ich aus einzelnen Artikeln von ihm gesehen. Die Klage über schlechte literar. Behandlung des Judenthums von Seiten sonst verständiger christl. Autoren ist nicht unbegründet, aber die Juden tragen selbst die Hauptschuld. Erstlich muthen sie uns nur zu häufig Zu, in die entsetzliche halachische Discussion bei den Pharisäern und Rabbinern mehr als Verschwendung von Geist an unwürdige Gegenstände Zu sehen und treten überhaupt mit gar zu großer Werthschätzung alles Jüdischen auf, und dann haben sie viel zu wenig gethan, um das jüd. Alterthum wissenschaftlich zu erschließen. Von allen jüngern nicht-jüd. Orientalisten bin ich wohl immer noch der, welcher sich am meisten mit nachbiblischem Judenthum beschäftigt hat — allerdings wesentlich aus linguist. Neigungen — aber wie sauer habe ich mir die ersten Vorkenntnisse erwerben müssen. Und was sollte ich noch heute machen, wenn Buxtorf nicht wäre? Soll man, um rasch ein Wort zu finden, den Aruch nachschlagen? (In Kiel existirt kein Exemplar davon!;• Warum hat kein Jude einigermaßen genügende Wörterbücher geschrieben? Warum keine Grammatiken? Warum "keine histor. Einleitungen? Warum so wenig brauchbare Textausgaben? Und schreiben sie etwas, so thun sie es ״hebräisch", d. h. in einer Sprache, die sich Zu der des A. T. oder auch der der Mischna verhält, wie das Latein der Epist, viror. obscur. zu dem der classischen Zeit. Das beste moderne Hebräisch ist doch noch bedeutend künstlicher, als modernes Latein, und ich habe schon manche Schrift nicht gelesen, weil sie lateinisch geschrieben. Latein der class. Zeit, oder auch des Mittelalters, wo man naiv so schrieb, ist mir lieb: ähnlich Hebr. d. alten Zeit und (theilweise!) des Mittelalters; aber etzt soll man in moderner Sprache schreiben! Doch ich komme zu weit ab. — Wenn das Christenthum selbst dem