Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 10 (1872)
- Issue
- 3 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 232 (sequence 72)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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232 Aus Briefen. standslos würde. In einem hebräischen Briefe vom Berliner Vorst, (die Unterschrift ist unleserlich) wird dasselbe Gesuch gestellt und dabei aufmerksam gemacht, daß die Juden hierzu verpflichtet seien, da in seiner Offizin eine Schrift zu Gunsten der Juden gedruckt werde; wahrscheinlich ist damit obiges Gutachten gemeint. Von L. G., 4. März. In einer Sammlung: Briefe von Herrn Boysen an Herrn Gleim, Fft. und Lpz. 1772 finde ich (II, S. 221 ff. dat. 26. Aug. 1770) einen Brief Boysens, des bekannten Orientalisten, Polyhistors und Verfassers mancher geschichtlichen Werke, damals Predigers in Quedlinburg, an seinen Freund, den Halberstädter Canonicus Gleim, den eifrigen Patrioten, den glücklichen Dichter so mancher Lieder, den allgemein geliebten Vorsteher eines ganzen Dichterbundes, einen Brief, der mir der Mittheilung nicht unwerth erscheint wegen der in ihm über den späteren Rabbiner Berlins, Hirsche! Levin, enthaltenen Bemerkungen und wegen der würdigen Anschauungen des Schreibers: ״Wenn Herr Hirsche! Löbel den Talmud aus der Synagoge schafft, und dafür Moses Mendelssohns philosophischen Phädon einführt, dann wollen Sie sein Freund werden, und selbst die Christen ermahnen, sich oft in der Synagoge zu versammeln! Nein, das wird Herr Hirschel Löbel zuverlässig nicht thun und das kann er nicht thun, weil er zu sehr Rakbine ist. Er verehrt aber mit uns den berlinischen Sokrates und er ist stolz darauf, daß dieser Kopf aus seiner Nation aufgestanden ist. Den Phädon wird Löbel zu Hause lesen, und den Klugen in seinem Volke wird ers rathen, die großen Lehren dieses Weltweisen ins Herz zu Prägen; die gewöhnlichen Vorlesungen in der Synagoge aber wird er, ohne sich an Herr Gleimen zu kehren, fortsetzen, und bei dem Schluffe jedes Abschnitts, der vorgelesen worden ist, wird er, Gleimen zum Verdruß, den Wunsch ausrufen lassen, den die Talmudisten dem Schluffe eines jeden Capitels aus der Gemara anzuhängen pflegen: Möchten wir doch diese Lektion wieder lesen! Und auf das Studium des Talmuds, welches unter den halberstädtischen Juden beinahe ganz aufhört, wird er dringen mit einem noch feurigern Eyfer, als mit dem Gleim darauf dringt, daß nur Schriften, die erleuchten und bessern, gelesen werden sollen. Der Herr Oberrabbi hat mich in diesen Tagen besucht. Er war so voll von Ihrem Charakter, und so tief gerührt von der Ehre,