Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 10 (1872)
- Issue
- 3 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 220 (sequence 60)
- Language
- German
- Belongs to
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220 Umschau. kürzerer Zeit und im vorgerückten Alter noch leichter zu erlernen sind", wirklich mehr als unbrauchbare Pfuscher werden, ob durch solche Treibhauspslege den Einzelnen Hülfe gewährt, die solide Heranbildung der GesammtheiL gefördert wird, will mir sehr bedenklich scheinen. Von den Auswandrern wird Nichts gesagt. Es sind über die Waisen, die als untauglich zurückgeschickt werden mußten, über nach Amerika Geschaffte, die dort als Herumtreiber entweder dem Elende oder dem Laster verfallen, Nachrichten in das Publicum gedrungen, von denen freilich die ״Berichte" keine Kunde geben. Wohl aber kann der Berliner Bericht die Klage nicht unterdrücken über ״den Andrang Unberechtigter, welche unser Comite mißverständlich oder absichtlich als eine neue Armencasse für westrussische Juden betrachteten". Natürlich! Man hat Ansprüche und Hoffnungen erweckt, die man Wohl theils nicht befriedigen wollte, großentheils aber bei dem Umfange der erforderlichen Mittel nicht befriedigen konnte. Und nun wälzte sich die Last ab auf die Schultern derer, welche ohne Verbindung mit der Allianz waren, aber als die natürlichen Pfleger der Wohlthätigkeit gelten, — auf die Rabbiner. Was nun endlich die Zustände Rumäniens betrifft, so glaube ich nichts Neues hinzufügen zu dürfen. Im Verdammungsurtheil über die dortige ״nationale und christliche" Bevölkerung bin ich mit der Allianz einig, und kann auch das neuste Rundschreiben der dortigen Regierung an ihre Vertreter im Nuslande keine Veranlassung bieten dieses Urtheil zu mildern. Aber andererseits erscheint mir noch immer der größte Theil des zur Abhülfe herbeigeschafften Lärmapparates eher unheilvoll als heilbringend. Das einzige Mittel bleibt, daß die einsichtigen Juden dort für die Heranbildung der GesammtheiL ihre Kräfte anstrengen und sich zu diesem Zwecke mit allen gesunden Elementen vereinigen. Meint es die dortige Regierung ehrlich damit, und ist sie nur zu schwach dazu, um ihre Wohlwollenden Absichten ausführen zu können, so muß die Energie der dortigen Juden sie kräftigen und müssen sie im Innern für den Staat wie für ihre eigne Stellung die Hülfe suchen, die ihnen von Außen nimmer gewährt werden kann. Unnützes Geschrei verwirrt nur mehr als es löst. 23. Juni. Ich kann nun noch einige Worte hinzufügen über den ״Bericht aus der israelitischen Mädchenschule in Jerusalem vom Jahre 1871"