Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 10 (1872)
- Issue
- 3 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 219 (sequence 59)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2420973-2421013-2421015--3139-2424238- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Umschau. 219 schiedensten Orten her, Zumal auch von Amerika, namhafte Gaben zuflossen —, hielt es für angezeigt, sich mit einheimischen Cvmits's, namentlich mit dem zu Kowno, in Verbindung zu setzen, durch diese, welche unmittelbar am Sitze des Nebels sich befinden, Zustände und Mittel zur Abhülfe am Nichtigsten zu würdigen wissen, seine Wirksamkeit zu vermitteln. Es richtete sein besonderes Augenmerk darauf, daß, abgesehen von der Nothwendigkeit, dem augenblicklichen Elende zu steuern, die Erziehung der Jugend in der Heimath, wo es durchaus nicht an Anstalten zur Bildung fehlt, veredelt werde. Wenn die Jugend n.icht mehr in dem ״Chaßidimstübel" ihre geistige Heimath findet, um dort zeitlebens zu verkümmern, wird sie Gelegenheit finden sich eine ehrenhafte Existenz zu gründen, wird sie die Energie erlangen, sich aus der Misere zu retten, welche die dortige Ueberfüllung unabwendbar zu machen scheint, wie das beste Beispiel dafür die preußische Provinz Posen darbietet. Ist jedoch die Versunkenheit dort so groß, daß man diese Mittel, selbst wenn materielle Beihülfe dafür gereicht wird, fanatisch von sich wegstößt; sind die Staatsgesetze etwa so schlecht, daß eine jede heimische Er- Hebung unmöglich ist: so ist eben vom Auslande auch nicht zu helfen. Die Allianz glaubte an die Stelle dieses langsamen, aber sichern Vorgehens ein rasches eclatantes setzen zu müssen, möglichst Viele nach dem Auslande zu ziehen, theils zur Ausbildung, theils Zur gänzlichen Auswanderung. Allein dieses Unternehmen wußte ebenso an seiner Naturwidrigkeit wie an seinen alles Maß überschreitenden Schwierigkeiten scheitern. Man veranlaßte eine große Anzahl von Menschen das Ausland aufzusuchen. Ein Theil von ihnen hatte sich in der Heimath dort geachtete Kenntnisse erworben, konnte nach dortigem Maßstabe die Lücken in der allgemeinen Bildung auszufüllen Gelegenheit finden, ohne mit den Bedürfnissen für den Lebensunterhalt einen unüberwindlichen Kampf beginnen zu müssen. Zu uns verschleudert, kommen sie ganz unvorbereitet selbst in den niedrigsten Elementarkenntnissen, die sie nachzuholen zu alt sind, nnd andrerseits bis zur Fäulniß überreif, stürzen aus einem Extrem thalmudischer Befangenheit und dialektischen Geistesspiels in ein anderes des Nihilismus, finden umherschwankend nicht die genügende geistige und leibliche Nahrung und gehen unter. Ob Andere, die, wie der Berliner Bericht-sagt, als ״Handwerkspfleglinge^ mit Vorliebe solche Professionen erwählt haben, welche ״in 3׳;׳ ־1׳ i׳! ן