Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 10 (1872)
- Issue
- 3 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 218 (sequence 58)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2420973-2421013-2421015--3138-2424237- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
218 Umschau. Man spricht von der Ackerbauschule zu Jaffa, und wie mir Kundige und Unbefangene berichten, ist Hr. Netter, welcher derselben vorsteht, ein ebenso einsichtsvoller wie gewissenhafter Mann, dessen Verdiensten hohe Anerkennung gebührt. Allein dieses Hintragen eines Bildungsmittels zu menschenwürdigem Dasein nützt nicht, weil die ganze Bevölkerung ihm feindlich gegenübersteht. Da paßt recht hübsch dazu, wenn Hr. Jacob Hamburger, Präsident des Ausschusses in Schmiegel, ״Herrn Kalischer aus Thorn zum Religions- Director der Ackerbauschule in Jaffa vorschlägt und versichert, daß die Subscriptionen für diese Schule reichlich fließen würden, wenn man in Deutschland und Polen wüßte, daß dieses Amt Hrn- Kalischer übertragen werde"! Eine unberechtigte Vorliebe für den Orient, der eine neue Cultur aus sich heraus zu schaffen nicht vermag und dem sie zuführen zu wollen mit allen Gesetzen des geistigen Lebens in Widerspruch steht, hat die ״Allianz" ins Dasein gerufen; an diesen ungünstigen Elementen, die bei ihrer Geburt mitwirkten, krankt sie von der ersten Stunde ihres Entstehens an, und wird sie diesen Krankheitsstoff schwerlich überwinden. Die unterdessen eingetretenen Ereignisse haben sie jedoch theilweise nach andern Richtungen hin gelenkt, die eine allgemeinere Theilnahme zu erwecken geeignet waren und sind: die Noth in West-Rußland und die Brutalitäten in Rumänien. Als das Elend in den westlichen Provinzen Rußlands, gesteigert durch ungünstige Ernten, unverhüllt hervortrat, da wurde durch die angränzenden Gemeinden Preußens die öffentliche Aufmerksamkeit und die allgemeine Theilnahme für sie in Anspruch genonmmen, und man hat nicht etwa die Aufforderung der ״Allianz" abgewartet, um die Bereitwilligkeit zur Abhülfe kund zu geben. Herr Prediger Di׳. Rülf in Memel hat sogar dem ״greisen Rabbiner Geiger" ein Verdienst dabei zuerkannt, das derselbe anzusprechen sich nicht für berechtigt hält, das aber jedenfalls beweist, wie ein Mann, der nie mit der Allianz in irgend einer Verbindung gestanden, als einer der Ersten, sein Interesse wirksam an den Tag zu legen wußte. Erst später, namentlich von dem Zeitpunkte an, da sich hier in Berlin ״Frankreich und Deutschland umarmten", begann die Allianz die Bestrebungen auch dafür zu concentriren. Ich zweifle, ob mit Glück. Das Comite zu Frankfurt am Main das unabhängig für sich wirkte — dem jedoch auch von den ver-