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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1872-01-01 · 3 (1872) · p. Seite 204

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
10 (1872)
Issue
3 (1872)
Date
1872-01-01
Page
Seite 204 (sequence 44)
Language
German
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204 Umschau. großem Einflüsse auf die richtige Erkenntniß des Judenthums und der jüdischen Literatur; aber nicht blos mittelbar, sondern auch voll eingreifend wirkte Levh für diese. Seine Schulschriften haben sich in mehreren Auflagen eingebürgert; seine Arbeiten über jüdische Münzen, über einzelne historische Partien, wie über Don Josef Nasi, Sara Copia Sulam u. A. sind reich an neuen Aufschlüssen, er war auf dem Gebiete der biblischen Wissenschaft und der jüdischen Literaturgeschichte heimisch, und kleinere wie größere Arbeiten legen rühmliches Zeugniß dafür ab. Die Reinlichkeit der Forschung, die Anspruchslosigkeit der Darstellung lassen uns in dem Gelehrten zugleich den Menschen erkennen, der wahrhaft, bieder, treu und milde war. Ich habe drei Jahrzehnte mit ihm in enger Freundschaft verbunden gelebt und werde ihn auf dem weiteren Lebensgange immer schmerzlich vermissen. — Schon mehr als ein halbes Jahr ist verflossen, seitdem ein Mann von Verdienst dahingeschieden, der viele Anfeindungen im Leben erfahren, mitten in dem inneren Kampfe der neueren jüdischen Bewegung eine eigenthümliche Stellung einnahm. vr. Mendel Heß, den 17. März 1807 in Stadt-Lengsfeld geboren, 1828 provisorisch, 1831 deflnitiv als Landesrabbiner des Großherzogthums Sachsen-Weimar angestellt, traf in eine Zeit mächtiger Gährungen und trat alsbald in sehr ungewöhnliche Verhältnisse ein. In dem dritten Jahrzehent dieses Jahrhunderts begannen die Jünger der jüdischen Theologie, bis dahin ausschließlich dem Thalmudstudium hingegeben, bald aus eigenem Drange bald nach den Anforderungen des Staates die Universitäten zu besuchen, um auch allgemeine wissenschaftliche Bildung zu erlangen. Viele waren in Wissen und Gesinnung nicht genügend vorbereitet, und die Hochschule wirkte wenig auf sie ein; bei den durch Kenntnisse und Anlagen Gereifteren hingegen wurde ein Zwiespalt geweckt und genährt, für den eine Ausgleichung literarisch noch kaum versucht war und in dem sich zurcchtzufinden den jungen Männern selbst überlassen blieb. Mußte da viele Unklarheit entstehn, so wirkten die Maßregeln mancher Regierungen, Wenn auch vom Wohlwollen eingegeben, zuweilen ungeschickt ein. Damals war es, wo man in einzelnen deutschen Staaten die Juden bevormundend erziehen wollte, nicht indem man ihren Entwickelungsgang von Hemmnissen befreite und förderte, sondern indem man ihnen Aufklärung octroyirte. Fast wirkte man dadurch ebenso zersetzend, wie später, da man wieder

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