Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 10 (1872)
- Issue
- 3 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 203 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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Umschau. 203 durch den Staat, mit der Entrüstung, die er der Engherzigkeit dieser unberechtigten Behörde entgegenschleuderte. Er starb wie der Held auf dem Schlachtfelde, die Fahne hoch emporhaltend. Diese Männer haben, abgesehn von ihren großen Verdiensten innerhalb ihres Berufes, nicht umsonst gelebt für das Judenthum. Wofür sie mühsam gerungen, es tritt immer siegreicher in's Leben ein. Ihr Andenken wird ein gesegnetes sein, indem mit durch ihr Wirken späteren Geschlechtern der Kampf erleichtert, ja endlich ganz erspart wird. Wenn diesen Männern das ehrende Andenken in einer ״jüdischen Zeitschrift für das Leben" gebührt, so verdienen es Andere zumal in einer ״jüdischen Zeitschrift für die Wissenschaft". Vor einem halben Jahrhundert hatte die Erziehung noch in vielen Kreisen ein überwiegendes Gepräge der Anleitung zur Theologie, und wenn dann auch ein großer Theil selbst derjenigen, die an gelehrten Studien festhielten, dennoch vom rabbinischen Berufe, für den eigentlich die Vorbereitung galt, abging, so hielten sich doch ihre Studien ganz oder theilweise innerhalb des jüdisch-wissenschaftlichen Gebietes; von den Kämpfen in der äußeren Lebensstellung blieben auch sie nicht verschont. Zedner aus Glogau, ein stillfleißiger Gelehrter, weniger geeignet zum productiven Schaffen, konnte wiederum im Vaterlande keine angemessene Wirksamkeit finden, sie ward ihm in London am britischen Museum als Custos für die hebräischen Druckwerke. Er machte sich durch die verständnißvolle Herausgabe einer Auswahl von historischen Lesestücken aus der mittelalterlich jüdischen Literatur verdient, besonders aber durch seinen vortrefflichen Catalog über die reiche Sammlung hebräischer Druckwerke an der genannten Bibliothek. — Zu einer wahrhaft wissenschaftlichen Autorität hatte sich Prof. M. A. Levy, geboren in Altona 1817, gestorben Ende Februar d. I. in Breslau, erhoben. Auch er hatte sich für das Rabbineramt vorgebildet, doch folgte er der vorwiegenden Neigung, praktisch im Lehramte und wissenschaftlich in der semitischen Epigraphik und Paläographie zu wirken. Wie er als Religionslehrer in Breslau nahe an dreißig Jahre segensreich gewirkt, davon zeugt daß ein Geschlecht, das mit ihm in Freundschaft gelebt, und ein jüngeres, das er mit erzogen und sittlich herangebildet, sein Andenken dankbar zu ehren weiß. Als Gelehrter hat er einen weitverbreiteten Ruf gewonnen, seine Leistungen und sein Urtheil auf dem genannten gelehrten Gebiete waren maßgebend. Die alten semitischen Ueberreste sind zugleich von