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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1872-01-01 · 3 (1872) · p. Seite 202

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
10 (1872)
Issue
3 (1872)
Date
1872-01-01
Page
Seite 202 (sequence 42)
Language
German
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202 Umschau. Judenthume gestanden; von erhöhtem Interesse sind vollends diejenigen, die mehr oder weniger in die jüdisch-geistige Bewegung mit eingegriffen. Es ist traurig, daß wir gerade in unserm deutschen Vaterlande, zumal in dem Staate, der dessen Vorort bildet, Männer aufzuzählen haben, die sich als Juden zu bewähren hatten gegenüber Mittelalterlichen Vorurtheilen, weil sie gerade hier sich so zähe erhalten wollen, die bald dem Kampfe, der dadurch in ihr ruhiges Gelehrtenleben eingetreten, aus dem Wege gehn mußten, bald ihn ernstlich aufnehmend, ihre Kraft mit mehr oder weniger Erfolg daran setzten. Prof. Goldstücker aus Königsberg, ein Meister im Sanskrit, der, man möchte sagen, mit den alten indischen Grammatikern und Rechtslehrern lebte, würde als Jude nicht bemerkt worden sein, wenn das Vaterland ihn nicht als solchen gekennzeichnet und sich seiner bedeutenden Kraft engherzig beraubt hätte, so daß er im Auslande seine Anerkennung suchen mußte und sie dort auch fand, an der freien Londoner Universität eine geachtete Stellung einnahm und dem englisch-indischen Amte ein kundiger Berather wurde. — Den Kampf in seinem bescheiden fleißigen, aber so segensreichen Lebenslaufe nahm Professor Herz in Erlangen auf. Seine medicinische Lehrthätigkeit an der dortigen Hochschule ward ihm, dem anerkannten Meister, wie dem treuen Freunde seines engeren wie weiteren Vaterlandes, lange genug verkümmert; erst die letzten Jahre boten der ermattenden Kraft, was der jugendlich frischen versagt war. — Nicht für die eigne Lebensstellung, Wohl aber für die Gesammtheit trat Dr. Kosch aus Königsberg in den Kampf um die volle Gleichberechtigung der Juden ein. Zum Volksvertreter erwählt, wußte er durch Gesinnungstüchtigkeit das Vertrauen zu rechtfertigen, das in ihn gesetzt wurde, er war Vertreter des ganzen Volkes, aller Stände und Classen und Glaubensgemeinden, das gleiche Recht Allen zu erringen war sein unablässiges Streben; aber er verkannte auch nicht, daß ihm noch besonders die Pflicht obliege, für den eignen Glauben und die Glaubensgenossen, deren Recht noch so vielfach verletzt war und ist, als Hort einzustehen. So ermattete er auch nicht in diesem Kampf; sein Ansehn gab der Sache, die er vertrat, erhöhte Bedeutung und ward keineswegs etwa dadurch verringert. Seine geistige Thätigkeit erstarb hienieden mit seinen letzten Worten auf der Abgeordneten-Tribüne, mit seinem einschneidenden Proteste gegen die Besoldung des evangelischen Oberkirchenrathes

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