Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 10 (1872)
- Issue
- 3 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 200 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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200 Umschau. ist, das schlagendste Moment übersieht, daß es nämlich die Lesarten der Madinchae wiedergiebt, wie nach mir auch von Pinsker nachgewiesen worden. Auch im Einzelnen zeigt sich solche Unbekanntschaft mit neueren Forschungen, z. B. über die Doppellesart rnnn und דזחרם Jes. 19, 18 in Thargum und Gemara (S. 40, vgl. Urschrift S. 79 Anm.), über die Wiedergabe von נןדש und קדשה. in den Thargumen (S. 44 Anm. 1, vgl. diese Ztschr. Bd. IX S. 96) und Aehnliches. — Auch an sonstigen Flüchtigkeiten fehlt es nicht. In einer höchst künstlichen Weise will z. B. Fr. (S. 31 und Anm. 2) die Wiedergäbe des ויעזקי־־־לו Jes. 5, 2 durch וקדשתיכון im Tharg. damit erklären, daß der Uebersetzer das Texteswort ableite von dem aram. Np טבעת — עז, Ring, durch den Ring vollzieht sich die Verlobung קידושין, daher וקדשתינון ich verlobte sie mir, also schon zur Zeit der Uebersetzer die Angelobung durch einen Ring. Es ist auffallend, daß Hr. Fr. bei der letzten Schlußfolgerung nicht selbst stutzig geworden; denn ein jeder mit der Geschichte der thalmudischen Gesetzentwicklung Vertraute weiß, daß die Verlobung durch den Ring erst im Mittelalter unter den Juden herrschende Sitte geworden, während zur Zeit des Thalmud, also auch als die thargumische Uebersetzung redigirt wurde, eine solche nicht in Uebung gewesen. Aber auch sprachlich ist die Erklärung unrichtig; sollte nämlich וקדשתינרן bedeuten: ich Verlobte sie mir, durfte unter keinen Umständen das entscheidende לי fehlen *). Es heißt vielmehr: ich heiligte, läuterte sie. — Flüchtigkeit ist es, wenn S. 40 Anm. 1 gesagt wird, Kimchi führe häufig nur den Anfang der betreffenden Thargumstelle an mit hinzugefügtem 'וכו oder הבענלוד. Der letztere Ausdruck mußte dem Vfr. bei einiger Aufmerksamkeit zeigen, daß er nicht von Kimchi herrührt, vielmehr haben die Herausgeber der Bibel die von K. vollständig angeführte Stelle abgekürzt und auf das zur Seite stehende gedruckte Thargum verwiesen. — Ebenso seltsam ist es, wenn der Vfr. S. 43 die Vermuthung aufstellt, der Uebersetzer habe Nicht. 5, 8 בעשרת statt בארבעים gelesen, und es ihn nun befremdet, ״daß Kimchi — er führt Jonathan in seiner Weise an (d. h. Wohl: abgekürzt mit — (! דגר׳ ג) Ich will hierbei keinen Nachdruck darauf legen, daß קדש in diesem Sinne in dem babylonischen Thargum (Onk. und Jon.), soviel mir bekannt, nicht vorkommt, während es in dem jerus. Tharg. zum Pentateuch der Mischnah entlehnt ist, auch bei dem Syrer E^räm, aber auch nur bei ihm für das Syrische, sich findet (vgl. Zeitschr. der DMG. XXI S. 489 f.).