Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 10 (1872)
- Issue
- 3 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 192 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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192 Recensionen. ist eine principielle Verschiedenheit in dem Punctationssysteme, die durchgreifend angewendet wird, und wollte Hr. B. Derartiges aufnehmen, so mußte er alle sonstigen grundsätzlichen Abweichungen der Punetation, wie sie in Kürze Urschrift S. 485 ff. zusammengestellt sind, für alle einzelnen Fälle aufnehmen. Das Verfahren ist noch in anderer Beziehung bedenklich, wenn man, wie dies der Fall ist, keine babylonischen Codices vor sich hat, auch anderweitig keine Mittheilung über die einzelne Stelle belehrt und man nur die allgemeine Regel für den einzelnen Fall anwendet; da kann man leicht von Voraussetzungen sich leiten lassen, die nicht zutreffen. So bin ich z. B. nicht sicher, ob die Babylonier Gen. 3, 22 wirklich בלבלכו gelesen oder nicht vielmehr נלנלנר, wie bei ihnen ״von ihm" lautet. Bekanntlich übersetzt nämlich so das babylonische Thargum (Onkelos) nach Anleitung Akiba's, und geben dieselbe Erklärung Symmachus, die Samaritaner und Saadias in ihren Übersetzungen wieder (vgl. diese Ztschr. Bd. I S. 42 f.). Es ist daher durchaus unberechtigt, wenn Hr. B. ohne Weiteres als babyl. Lesart בלולבו aufstellt, ohne daß er dafür irgend eine documentarische Bestätigung Nachweisen kann. Im Allgemeinen giebt Hr. B. die in unfern großen rabbinischen Bibeln befindlichen Variantenlisten zwischen denMedinachaö und Ma'- arbae wieder, benützt aber dabei noch einige Hülfsmittel, welche in neuerer Zeit dargeboten wurden, wie Randbemerkungen, die ihm Handschriften bieten. Ausreichendes ist für diese textgeschichtlich so sehr wichtige Materie noch nicht geleistet, und es gereicht unserer Wissenschaft nicht zur Ehre, daß die ehemals Odessaer, jetzt Petersburger Bibel- Handschriften, nach den noch ungenügenden Mittheilungen Pinner's und Pinsker's, durchaus unbenützt bleiben. Eine sorgfältige Vergleichung derselben und eine Mittheilung der in ihnen gemachten Wahrnehmungen ist von großer Wichtigkeit, und statt so vieler nutzlosen Conjecturenjägerei und abenteuerlichen Neiseentdeckungen sollten die näherliegenden gesicherten Documente endlich einmal von einem Sachkundigen und Gewissenhaften ausgesucht werden. Bis dahin sind wenigstens die bekannt gemachten Mittheilungen erschöpfend zu benützen, und ist es mir auffallend, daß Hr. B. hier nicht die genügende Sorgfalt angewendet hat. Ich bemerke nämlich, daß Pinsker's Mittheilungen im ,,Punctationssystem", namentlich S. 131 nicht nach Gebühr beachtet sind, und dennoch läßt sich aus ihnen noch Manches ergänzen und berichtigen. In unseren ״Chil-