Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1872-01-01 · 3 (1872) · p. Seite 180

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
10 (1872)
Issue
3 (1872)
Date
1872-01-01
Page
Seite 180 (sequence 20)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2420973-2421013-2421015--3100-2424199
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

180 Necenstonen. Lhümlichen, gerade durch seine FremdarLigkeit an Reiz gewinnenden Duft aufzugeben, dem eigenen Geiste doch einigermaßen angepaßt, congenial gemacht werden. Und so hat ein jedes Land seinen Ansprach, daß ihm die fremde Dichtung in seiner Sprache und nach seinem Volksgenius zugänglich gemacht werde. Dies unternimmt nun Hr. Salvatore de Benedetti, Professor in Pisa, in Bezug aus Juda Ha-Levi für seine Landesgenossen. Er hat die deutschen Arbeiten mit Gewissenhaftigkeit und Verständniß benützt; es dürfte ihm, soviel ich sehe, nur etwa mein Büchlein: Jüdische Dichtungen der spanischen und italienischen Schule (1856), wo S. 15—27 (vergl. S. 29 ff.) mein ״Divan des Castiliers Abu'l Hassan Juda Ha-Levi" (1851) Ergänzungen fand, vielleicht auch die Charakteristik in dem zweiten Hefte meiner Vorlesungen: das Judenthum und seine Geschichte (1865, S. 120 —128) unbekannt geblieben sein. Neue Thatsachen und Gesichtspunkte zur Beurtheilung mögen sich für den mit den deutschen Bearbeitungen Vertrauten kaum in diesem ebenso innerlich durch Gelehrsamkeit wie äußerlich durch splendiden Druck wohlausgestatteten Buche finden. Anziehend werden dem Kenner der italienischen Literatur wie namentlich den Landesgenossen des Vfrs. die Parallelen aus Dante und Petrarca sein; beide stehen an Zeit und Anschauung dem jüdischen Spanier noch nahe genug, um ihn durch eine gewisse Geistesverwandtschaft zu beleuchten. An einer Unvollständigkeit leidet das Buch dadurch, daß der Vfr., wie schon der Titel sagt, sich auf religiöse Dichtungen beschränkt; er schließt zwar, und mit Recht, die Gedichte, zu denen die Pilgerfahrt nach Jerusalem Juda angeregt, in seine Betrachtung ein, hingegen übergeht er Alles, was Juda sonst mit dichterischem Schmucke umkleidet, und wenn dessen Gemüth auch vorzugsweise an religiösen Stoffen Nahrung fand, so ist doch Alles, was er behandelt, anmuthig und ist er auch als Dichter der Liebe ins Auge zu fassen, wenn er eine allseitige Beurtheilung finden soll. Ein Mangel wird es auch immer bleiben, wenn die Werke eines Dichters, zumal eines solchen, der die künstlerische Form sorgsam gepflegt und mit Meisterschaft gehandhabt hat, dem der Klang neben dem Gedanken nicht gleichgültig war, — in buchstäblicher Wörtlichkeit übersetzt werden und nicht vielmehr der Versuch gemacht wird, durch nachahmende Wiedcrgabe den Dichter anklingend in die Muttersprache einzusühren. — Wir verzichten jedoch gern darauf, um Einzelheiten zu rechten, die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.