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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1872-01-01 · 3 (1872) · p. Seite 179

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
10 (1872)
Issue
3 (1872)
Date
1872-01-01
Page
Seite 179 (sequence 19)
Language
German
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Benedetti: Giuda Levita. 179 noch vor Kurzem lebhafte Aufmerksamkeit erregt hat, tritt bald in den Hintergrund, um einem neuen Gegenstände Platz zu machen, der nunmehr die Geister fesselt. Dieses Treiben und Drängen mußte sich noch in erhöhtem Grade in der jüdischen Literatur bemerkbar machen. In ihr, der lange verwahrlosten, bot sich ein umfangreicher unentwirrter Stoff dar; da war es die erste Aufgabe, zu lichten, die wildverwachsenen Wege zu säubern und zu ebnen, dann nahm man die Nächstliegenden greifbarsten und zugänglichsten Materien in Angriff. Neben Anderem regte da bald die dichterische Fruchtbarkeit der herrlichen spanisch-arabischen Zeit an, die aus ihrer Verschüttung gerettet, in ihrer Anmuth entgegengebracht werden konnte und mußte. Seit den dreißiger Jahren hat man etwa ein Vierteljahrhundert hindurch mit großer Vorliebe, mit ästhetischem Behagen die bald wahrhaft künstlerischen bald nur kunstfertigen Dichtungen ans Tageslicht gezogen, welche aus jener Periode von ihrem Grabesmoder erlöst werden konnten. Mit wahrhaft jugendlicher Lust, mit liebendem Entzücken hat man die Trümmer neu zu beleben versucht, ein Wetteifer entstand, um das Vergessene bekannt zu machen, das im Dunkel Verborgene an den Hellen Tag zu bringen und ihm zur Würdigung zu verhelfen. Es fehlte dabei auch nicht an Ueberschätzung; allmälig hat sich das Urtheil geklärt, und das rechte Maß hat sich hergestellt. Es sind Zwei ächte Dichter, Gabirol und Juda Ha-Levi, zur vollen Anerkennung gelangt; zwei kunstfertigen Meistern, Charisi und Jmmanuel, ward ein Ehrenplatz bewahrt. Der Eifer hat sich, zumal in Deutschland, von diesem Gebiete schon seit längerer Zeit ab- und andern zugewandt, die Forschung sucht tiefere Probleme auf, nachdem die Studien über den hebräischeu Dichtungs-Nachwuchs nahezu erschöpft und nur einzelne Ergänzungen möglich, kleinere Lücken etwa auszufüllen sind. Dieses dürfte umsomehr von andern Ländern übernommen werden, als gerade in ihnen der Reichthum an Handschriften weit ergiebiger ist. Aber auch überhaupt mögen die andern gebildeten Länder nun das Bedürfniß fühlen, diese eigentümlichen Gebilde der schönen Literatur ihren Sprachen und Genossen zuzuführen. Dichterische Schöpfungen haben den Vorzug vor allen andern Geistesproducten, daß sie über den Kreis der Fachgelehrten hinausgehn und die Theilnähme aller Gebildeten erwecken, wenn sie aus der fremden Sprache auf den heimischen Boden verpflanzt werden und, ohne den eigen- 12*

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