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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1872-01-01 · 3 (1872) · p. Seite 172

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
10 (1872)
Issue
3 (1872)
Date
1872-01-01
Page
Seite 172 (sequence 12)
Language
German
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172 III. David ben Sakkhai gegen Saadias. III. David ben Sakkhai gegen Saadias. Das folgende Fragment habe ich im vorigen Jahre von Hrn. Firkowitsch erhalten; es ist eine Abschrift von einigen alten zum Theile unleserlichen Blättern, die ich bei ihm gesehen habe. Es ist offenbar einer karäischen Schrift entnommen, wie die Erwähnung der Karäer am Schluffe beweist, welche die Streitigkeiten, in die Saadias mit dem Rosch Galuth und gelehrten Nebenbuhlern verwickelt war, gerne benützt und die Schmähungen, mit welchen ihn dieselben verfolgt, in Auszügen mittheilt. Der Name des Nashi oder Rosch Galuth wird nicht selbst genannt, wohl aber kommt in dessen Schreiben sein Bruder Haßn (Joschiah) vor, den Saadiah zum Gegenoberhaupte ernannt hatte; ebenso ist hier vielfach Khalaf (so, כלף, nicht כלב, wie in den bisherigen Quellen, hebräisch Aharon) ben Sarg'ado genannt, der reiche Kaufmann, welcher selbst nach dem Gaonate trachtete, es auch am Ende seines Lebens in Pumbeditha erlangte. Die Maßlosigkeit der Schmähungen, welche über Saadiah hier ergossen werden, ist ein Zeugniß von der Leidenschaftlichkeit des Kampfes; den heftigen Anklagen liegen natürlich keine wirklichen Thatsachen zu Grunde, nur die gekränkte Herrschsucht des Rosch Galuth vermag ihrer Wuth keinen Einhalt zu thun. Die Nachwelt hat mit Recht die Einzelheiten dieses widerwärtigen Streites der Vergessenheit übergeben; da sich jedoch ein Fragment eines so seltsamen Documents bis auf unsere Tage erhalten hat, verdient es doch an die Oeffentlichkeit zu treten. Giebt es uns keine geschichtliche Belehrung, so bietet es doch einen Einblick in die damalige Aufregung und wie sich dieselbe äußerte. Saadias mag seinerseits auch durch Heftigkeit und Hartnäckigkeit zur gegenseitigen Verbitterung beigetragen haben; die Charakteristik bei Nathan Babli läßt uns das wohl annehmen. Auch die Nachricht, daß er in Melancholie gestorben, deutet darauf hin. Aus unserm Fragment erfahren wir, daß Saad. im Jahre 9 zum Gaon ernannt worden, das heißt Wohl 1239 der seleuc. Aera — 928, wie dies die andern geschichtlichen Quellen auch angeben; wenn es hier heißt: im dritten (Monate) und sonst Jjar genannt wird, so ist der Unterschied unbedeutend. Ein anderes Datum scheint auch in gutem Einklang mit sonstigen Angaben zu stehn-

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