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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1872-01-01 · 3 (1872) · p. Seite 171

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
10 (1872)
Issue
3 (1872)
Date
1872-01-01
Page
Seite 171 (sequence 11)
Language
German
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II. Erbsünde und Versöhnnngstod. 171 das Neujahr zum ersten Male angedeutet, und diese rein aggadische, spielende Anlehnung, die in der älteren Zeit ganz unbekannt war, hat sich der Phantasie der Babylonier so empfohlen, daß sie auch in das Mußafgebet des Neujahrs, dessen Ausführung ihrer ersten Grundlage nach auf Rab, den ersten Lehrer Babyloniens, zurückgeführt wird, eingedrungen ist, und es nun heißt: ״es möge vor Dir sichtbar sein die Akedah, wie Abraham seinen Sohn Isaak ge- Kunden auf dem Altäre ... und die Akedah des Isaak mögest Du seinen Nachkonnnen heute gedenken". Endlich wurde dem zweiten Tage des Neujahrs, der in Palästina nur ausnahmsweise, in Babylon aber regelmäßig gefeiert wurde, der Abschnitt aus derThorah, welcher die Akedah erzählt, zum Vorlesen zugewiesen (Megillah 30 a), ja sogar für den ersten Tag, abweichend von der Bestimmung der Mischnah, welche den Festabschnitt zum Vorlesen verlangt, der Abschnitt von der Geburt Jsaak's festgestellt 1). So verdanken wir Babylon und der dortigen Berührung der Juden mit den Christen die Aufnahme der Lehre von der Verdienstlichkeit des stellvertretenden und sühnenden Sohnesopfers und deren Ausprägung im Gebete für das Neujahr, einer Lehre, die dem ganzen Geiste des Judenthums widerspricht, die mit allen seinen Grundlagen im vollsten Gegensätze sich befindet, die auch sonst weiter keine Spuren zurückgelassen hat. Befreien wir uns nun endlich von dieser babylonischen Verirrung und Verwirrung, kehren wir zu der gereinigten Lehre einer älteren Zeit zurück und läutern wir unfern Gottesdienst, indem wir die Gebetstücke, welche an den Versuch eines Menschenopfers erinnern und diesen erheben, als einen unserm religiösen Bewußtsein fremdartigen und widerstrebenden Best andtheil gründlich beseitigen. Das ist ein verdienstliches Werk der Reinigung, eine Ehrenthat des seine Selbständigkeit wahrenden Judenthums! ח Letzteres vielleicht auch, weil angeblich am Neujahre ״Gott der Sarah gedacht habe" ljer. Rosch ha-Schanah 1, 2, babli 10b und II a), daher Wehl findet sich diese Meinung auch in j. Megill ah z. St.

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