Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 10 (1872)
- Issue
- 3 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 170 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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170 II. Erbsünde und Versöhnungstod. thum nur schwache und bald verhallende Anklänge gefunden. Aber auch die damit zusammenhängende Erlösungstheorie oder richtiger die von der Sühne durch das Sohnesopfer wollte in einer seltsamen Umgestaltung in das Judenthum eindringen, und ihr ist es in dieser Vermummung besser gelungen, eine Stelle in der phantastischen Anschauung und auch im Gebete einzunehmen. Allerdings blieb dem Judenthume ein Gottessohn und dessen Opferung für die Sünden der Menschheit fern. Aber es fand einen Patriarchensohn, den der Vater zu opfern bereit war. Nun ist er wirklich nicht geopfert worden, er sollte überhaupt nicht als stellvertretende Sühne dargebracht werden; dennoch lag einmal der Gedanke der Sühne durch das Sohnesopfer nahe, und man wollte auch an dem Versuche der Opferung Jsaak's ein Verdienst haben, das allen Nachkommen zu Gute kommen und ihre Sünden tilgen solle. Die ganze alte Zeit denkt nicht an ein solches überschießende Verdienst, das von Jsaak's Opferung oder Gebundenwerden (Akedah) herrühre. Die Bibel erwähnt des Ereignisses nicht weiter als da, wo sie es zum ersten Male berichtet. Die Mischnah knüpft nirgends daran an, sie gedenkt höchstens der Gefahr, die dem Abraham auf Mo: riah gedroht und die von ihm abgewendet worden, und stellt sie neben andere wunderbare Errettungen (vgl. Thaanioth 2, 4). Sie verlangt, daß das Schofar, mit welchem am Neujahr geblasen wird, von dem Horne eines Steinbockes sei, an Fasttagen aber von dem eines Widders (Rosch ha Schanah 3, 3. 4). Wenn Juda (das. 5) umgekehrt für Neujahr das Horn eines Widders verlangt, so begründet Dies die Thoßeftha (6. 2) damit, daß man für das regelmäßig wiederrehrende Neujahr auch das gewöhnliche Horn gebrauche, während man für die seltenen Fasttage, die nur in Nothzeiten 'begangen werden, auch das weniger vorräthige des Steinbocks verwende. Diese Erklärung nimmt Jeruschalmi zur Stelle auf, hingegen läßt sie Babli zurück, er meint vielmehr an einem andern Orte (16 a), man wähle deßhalb das Widderhorn, damit an den Widder, der an Stelle Isaaks dargebracht worden, erinnert werde; ״ich gedenke euch dann, spricht Gott, die Akedah des Isaak und rechne es euch an, als hättet ihr euch selbst vor mir zum Opfer gebunden"^. Hier ist nun die Anknüpfung der Akedah an *) Wiederum übergeht Jerusch, dies an einer Stelle, wo er alle die andern damit im Zusammenhänge erwähnten Gegenstände anfnhrt, Rosch ha-- Schanah 1, 5, ganz wie Thoßeftha c. 1.