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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1872-01-01 · 3 (1872) · p. Seite 169

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
10 (1872)
Issue
3 (1872)
Date
1872-01-01
Page
Seite 169 (sequence 9)
Language
German
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II. Erbsünde und VersöhnungStod. 169 greift nicht, wie Thalmudisten zu solchen ausschweifenden Uriheilen gelangen; und wirklich haben dieselben zu allen Zeiten Befremden erregt 1). Offenbar sind das Eindringlinge aus dem Christenthum, für welches Adam die Sünde über das ganze Menschengeschlecht gebracht. In der That sehen wir denn auch anderweitig diese Ansicht offener auftauchen. So heißt es (Schabbath 146a u. Par.): ״Als die Schlange der Eva beiwohnte, da warf sie Schmutz in sie; bei Israel, das auf dem Berge Sinai gestanden, hörte die Nach- Wirkung dieses Schmutzes auf, nicht so bei andern Völkern." Noch in anderer Form heißt es (das. 55 d u. Par.): ,.Vier sind lediglich durch den Rath (die Verführungssünde) der Schlange gestorben (während sie selbst sündlos gewesen und also den Tod durch eigne Schuld nicht verdient haben), nämlich: Benjamin, der Sohn Jakob's, Amram, der Vater Mose's, Jsai, der Vater David's, und Khileab, der Sohn David's". Wie man dazu kam, gerade diesen vier gar nicht besonders hervorragenden Männern diese vorzugsweise Reinheit zuzuschreiben, verdient noch eine genauere Untersuchung. Sehen wir jetzt davon ab, und constatiren wir einfach, daß sich die Ansicht geltend machen wollte, die Verführung durch die Schlange habe den Tod verursacht selbst für diejenigen, welche frei von Sünde sind, oder auch die Sünde, und mit ihr der Tod, sei einem jeden Menschen untilgbar eingeboren. Jedoch tritt diese Ansicht nur so ganz gelegentlich auf und hinterläßt weiter keine Spuren. An derselben Stelle treten auch abweichende Meinungen entgegen. So sagt der Eine: ״Es giebt keinen Tod ohne Sünde, keine Schmerzen ohne Vergehn". Wiederum wird zwar mitgetheilt, die Engel hätten Gott gefragt, warum er Adam mit dem Tode bestraft, er geantwortet, weil er ihm ein leichtes Gebot gegeben und er es übertreten habe; auf den Einwand der Engel, Moses und Aaron hätten doch die ganze Lehre erfüllt und dennoch sterben müssen, habe Gott erwidert, es sei nun einmal ein Verhängniß über Gerechte und Frevler. Dem tritt aber wieder die andere Meinung entgegen, auch Moses und Aaron seien um ihrer eignen Sünde willen gestorben mit Beziehung auf Num. 20, 12. So hat die Erbsündentheorie in dem babylonischen 2) Juden- *) Vgl. diese Ztschr. Bd. IX S. 283. 2) Es ist beachtenswerth, daß Ieruschalmi nicht eine Andeutung von allen diesen Verhandlungen hat.

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