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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1872-01-01 · 3 (1872) · p. Seite 168

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
10 (1872)
Issue
3 (1872)
Date
1872-01-01
Page
Seite 168 (sequence 8)
Language
German
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168 II. Erbsünde und Versöhnungstod. mehr den andern in der Strafe und Sühne vertreten, ein Menschenopfer ist dem Judenthume ein Greuel, Gott bedarf, wenn er Erbarmen walten lassen will, keines die Strafe übernehmenden Opfers, um seinem Zorne genugzuthun. Einen Gottmenschen, einen Gottessohn weist das Judenthum gänzlich von sich ab. Diese Auffassung geht durch alle Zeiten und alle Schriften des Judenthums hindurch, und es ist sich seines Gegensatzes gegen das Christenthum in diesen Punkten vollkommen bewußt. Es hat kaum zu irgend einer Zeit das Bedürfniß empfunden, in Kampf gegen die ihm entgegenstehende Auffassung einzutreten; nur äußere Veranlassungen konnten es vorübergehend dahin bringen. Und dennoch kann es, bei dem vollen Bewußtsein des Gegensatzes, an Versuchen zu gegenseitiger Einwirkung nicht fehlen, besonders wenn die Bekenntnisse, die räumlich lange neben einander bestehen, unter sich eine engere Verwandtschaft bemerken gegenüber einem dritten, etwa gar herrschenden. So war es in Babylon, in Persien, zur Zeit als die jüdischen Akademieen dort blühten, aus denen die babytonische Gemara hervorgegangen, zugleich auch die syrische Kirche zu einer bedeutenden geistigen Macht sich heranbildete, beide aber die Gewalt der Parther und Neuperser fühlen mußten. Wie die syrischen Christen Worte und Begriffe von den Juden ausgenommen x), so traten auch sagenhafte Bestandtheile aus Syrerthum und Christenthum den Juden nahe. Aramäerthum war zwar von alter Zeit her den Juden gleichbedeutend mit Götzendienst; aramäische Sprache erschien als eine unreine, welche ״die dienenden Engel nicht verstehn", die daher zum Gebete untauglich sei. Und dennoch drangen nicht blos aramäische Stücke in die Gebetordnung ein, sondern man sprach es auch den syrischen Christen nach, welche für ihre aramäische Sprache Vorzug und Geltung der Ursprache in Anspruch nahmen, daß Adam aramäisch gesprochen habe (Sanhedrin 38 b)2)! Aber nicht blos die Ausgeburt syrischer National - Eitelkeit drang in die Köpfe der Juden, sondern auch christliche Dogmatik wollte bei ihnen ebenfalls in Betreff Adam's sich einleben. Da lesen wir (Sanh. das.) gar seltsame Aeußerungen über ihn, Adam sei ein Ketzer, ein Epispast, ein Gottesleugner gewesen. Man be- 2) Vgl. Ztjchr. der Deutschen morgenl. Ges. Bd. XXI S. 487 ff. *) Vgl. das. Bd. XXV S. 521.

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