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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1872-01-01 · 3 (1872) · p. Seite 166

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
10 (1872)
Issue
3 (1872)
Date
1872-01-01
Page
Seite 166 (sequence 6)
Language
German
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166 II. Erbsünde und VersöbnungStod. II. Erbsünde nnd Versöhnungstod; deren Versuch in das Iudenthum einzudringen. Die Bedeutung, welche das Christenthum seinem Stifter Jesus beizulegen sich berechtigt glaubt, beruht ausschließlich auf der Annähme, daß er den Versöhnertod für die sündige Menschheit gestorben sei und diese damit erlöst habe. Hierbei werden zwei Boraussetzungen gemacht, für die man die Anerkennung unbestreitbarer Thatsachen und Wahrheiten in Anspruch nimmt. Die Menschheit war, so lautet die erste, sündig und zwar in dem Maße, daß sie sich selbst von der Sünde zu befreien durchaus unfähig war. Eine Sühne der Sünde kann jedoch, so lautet die zweite, durch ein stellvertretendes Opfer bewirkt werden, ein solches versöhnt Gottes Zorn. Diese zwei Boraussetzungen wurden und werden noch weiter ausgearbeitet, sie erlangen eine größere Zuspitzung. Wieso, fragt man, war die Menschheit so sündig, daß sie aus sich heraus zur Reinigung und Erhebung nicht gelangen konnte? Die Sünde, mußte man consequent weiter annehmen, war den Menschen eingeboren, so daß sie sie unmöglich überwinden konnten. Wie aber? hat Gott selbst den Menschen als einen sündhaften geschaffen? ist ein so Unvollkommenes aus seiner Hand hervorgegangen? und wäre dies der Fall gewesen, konnte er darüber zürnen, daß das Geschöpf der von ihm selbst gesetzten Naturnothwendigkeit gefolgt ist? Das mußte man in Abrede stellen. Nein! der Mensch, der erste Mensch ist von Gott rein geschaffen worden, er hat durch freie Wahl die Sünde erwählt, eine Sünde begangen, so ward sie ihm zur unbezwingbaren Naturanlage, alle von ihm dann abstammenden Menschen sind mit dieser untilgbaren Sünde behaftet, sie müssen alle die Verdammniß und die Strafe tragen, die sie mit dem ersten aus freier Wahl sündigenden Menschen insgesammt trifft. Sie sind aus sich unfähig die Sünde nebst der Strafe zu beseitigen, sie mußten durch einen Andern davon befreit werden. Jesus war nun dieser Erlöser und Versöhner. Aber konnte sein, des Einzelnen, Tod, wenn er sich auch freiwillig als Opfer für die Menschheit darbrachte, die Strafe für die ganze Menschheit tilgen, den Zorn Gottes besäuftigen? Allerdings, denn er wiegt,

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