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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1872-01-01 · 3 (1872) · p. Seite 165

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
10 (1872)
Issue
3 (1872)
Date
1872-01-01
Page
Seite 165 (sequence 5)
Language
German
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I. Geist oder Geld. 165 Vorarbeiten, die anderswo aufgespeichert liegen, nutzbar machen. Ihnen aber die Bildung als Importartikel zuführen wollen, führt leicht zu thörichter Renommage, Schwindel, Ausbeutung schwächlicher gutherziger Menschen und Aufzehrung der Mittel, welche besseren Zwecken dienen sollten. Man täuscht gute Seelen, die eine Thräne zerdrücken, indem sie einige Thaler geben, und mit diesem Rührungsbrei finden sie sich für höhere Anforderungen ab. Und was denn thun? Bleibe im Lande und nähre dich redlich, wirke in der Heimath und pflege dort Geistesbildung. Noch sind unter uns der Bedürfnisse genug, und auch Geldmittel sind erforderlich, um den Unbemittelten die Möglichkeit zu einer menschenwürdigen Existenz zu eröffnen. Was für Jugenderziehung geschieht, für Heranbildung zur tüchtigen Gewerbskenntniß, für Unterstützung der durch Befähigung Ausgezeichneten, aber mit der Noth des Lebens Kämpfenden, damit sie der Wissenschaft, der Kunst sich widmen können, das trägt tausendfältige Frucht. Ein guter Lehrer, ein geistesstarker Rabbiner, ein tüchtiger Gewerbtreibender, ein durch Wissen Hervorragender erhebt Tausende vom Elend und er nützt durch sein Wirken mehr als gewaltige Geldsummen, unter Bettlerschaaren verstreut. Hier ist ein ergiebiges Feld, das noch nicht genug bearbeitet wird. Unterstützt Bildungsanstalten für Lehrer, für Rabbiner, gründet und unterhaltet Stätten der Wissenschaft, thut es in rechtem freiem Geiste, um Klarheit und Wahrheit zu fördern, reichet jungen strebsamen Menschen die Mittel, daß sie zu ihrem Ziele gelangen können und dann mit selbstständiger Kraft als nützliche Glieder sich und Andern zum Heile gereichen, daß sie nicht in den Mühen und in der Noth untergehn oder mit zerstörter Kraft die ersten Inquilinen eurer Siechhäuser werden. Das ist ächtes Wirken. Der Geistessunke, der hier angefacht wird, der erleuchtet und erwärmt weithin, nicht durch künstliche Geschäftigkeit, sondern durch die innere Geisteskräftigkeit. Lasset ab von allem Allianzen- und Gemeindebund-Firlefanz, wenn er nur dazu dienen soll, den Bettel im Großen zu organifiren oder Bildungs-Export-Geschäfte zu machen! Wendet euch einer stilleren, aber tieferenThätigkeitzu. Das Geld muß demGeiste, nicht der Geist dem Gelde dienstbar gemacht werden. 10. Juni.

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