Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 9 (1871)
- Issue
- 2 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 132 (sequence 52)
- Language
- German
- Belongs to
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132 Umschau. zwei Decennien sehr geändert. Die Wissenschaft hatte den Werth von Handschriften und alten Ausgaben betont, reiche Bibliotheken, namentlich Englands, zahlten dafür hohe Preise, und so fanden sich auch bald größere Buchhandlungen ein, die, bisher diesem wenig lohnenden Geschäftszweige fernstehend, mit Eifer die Vermittelung übernahmen. Es folgten immer mehrere, und die Preise der hebräischen Werke, wenn sie nur etwas über das Gewöhnliche sich erhoben, namentlich die für ältere und seltene Ausgaben, sind jetzt zu einer Höhe gesteigert, die vielleicht begriffen werden könnte, wenn die hebräisch-jüdische Literatur eine weltbeherrschende wäre oder der ihr mit Vorliebe sich widmende kleine Kreis von Gelehrten in dem günstigen Zustande englischer Lords sich befände, was bekanntlich nicht.der Fall ist. Wenn man die Kataloge des Hn. Benzian liest, so kann man sich des Staunens über die beigefügten Zahlen nicht erwehren. Die Preise, denen wir bei Hn. Müller begegnen, sind weit civrler, dennoch finden wir auch da einen Jkkarim (Soncino 1485) mit fl. 45. —, einen Avicenna (Neapel 1491) mit fl. 90. —, eine Gutachtensammlung Adereth's mit fl. 20. —, einen Mibchar Ha-Peninim mit fl. 35. —, einen Josippon mit fl. 70. —, einen Nofeth Zufim mit fl. 60. —, einen Pentateuchcommentar des Nachmanides mit fl. 100. —, eine jüngere Ausgäbe desselben mit fl. 50, einen Aruch mit fl. 250, einen andern mit fl. 32. — , einen Choboth ha-Lebaboth mit fl. 45. —, einen Leschon Limmudim mit fl. 25. —, einen Immanuel mit fl. 30. —, eine Turim-Ausgabe mit fl. 200. —, eine andere mit fl. 150. —, eine des einzelnen Tur Orach Chajim mit fl. 50. —, und so andere Werke in ähnlichem Maßstabe verzeichnet. Wo ein so maßloses, dem inhaltlichen Werthe der Bücher durchaus nicht entsprechendes Hinaufschrauben der Preise Statt findet, wo der Verkehr zur Jagd nach Seltenheiten wird, ohne Unterschied, ob sie werthvolles Gut oder Absonderlichkeiten sind, da hört er auf ein solider Buchhandel zu sein und wird zum Antiguitäten- und Raritätenschwindel. Die Geschäftskundigen werden freilich besser wissen, wobei sie ihren Vortheil finden; der unbetheiligte Außerhalbstehende kann sich aber doch des Gedankens nicht erwehren, es gehe damit wie ehedem mit den Harlemer Tulpenzwiebeln. 5. Jan.