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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1871-01-01 · 2 (1871) · p. Seite 115

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
9 (1871)
Issue
2 (1871)
Date
1871-01-01
Page
Seite 115 (sequence 35)
Language
German
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1. Sprachbegrisfliches. 115 sondern mit: seinem, Deinem Sohne, also der Ausdruck wird auf die Väter angewendet, und noch bestimmter in 2 Chr. 18, 1, wo das Verhältniß zwischen Josaphat.und Ahab mit התחתן bezeichnet wird, indem des Ersteren Sohn des Letzteren Tochter heirathet. Allgemeiner noch wird der Ausdruck gebraucht Jos. 23, 12 und ohne alle nähere Erklärung Esra 9, 14. Wenn nun in התן der Begriff der neuen Familienverbindung liegt, daher aus dem Stamme auch Bezeichnungen für den Schwieger- Vater und das Heirathen abgeleitet werden, so verhält es sich nicht so mit;כילד. Sie wird eben nicht in die Familie des Mannes ausgenommen, sondern wird lediglich sein Weib; das Wort hat kein Correlat an ihrem Schwiegervater, dem Vater des Mannes, daß dieser etwa כולל hieße — wie es zu erwarten wäre, wenn כלה von כלל, zusammenfassen, herkäme —, es ist für diesen der ganz abweichende Ausdruck הכ gebräuchlich, und ebensowenig giebt es ein התכלל• Vielmehr heißt כלה die Fertige, Vollendete, indem das Weib mit dem Zeitpunkte, daß es für den Eintritt in die Ehe reif wird, seine Entwickelung vollendet hat, in der Fülle seiner Reize dasteht. Vollenden, vollendet sein, ist eben die Grundbedeutung von כלל (daher פנל, Alles, ganz), woher auch: völlig vom Feuer verzehren (verwandt mit כלה und אכל) und in vollendeter Schönheit sein, und das Schafel heißt im Aramäischen שכלל geradezu: vollenden. Demnach heißt Kallah zunächst die zur vollen Entfaltung Gelangte, die zur Verehelichung Reife, Verehelichtwerdende, Neuverehelichte. Dieser Name bleibt ihr dann dauernd nur gegenüber dem Schwiegervater, sie ist die Schwiegertochter. Schon hieraus geht nun hervor, daß Kallah nicht zuerst ״Schwiegertochter" heißt und dann erst Neuverehelichte, sondern im Gegentheile, und Chat an schließt im Begriff des Eintritts in eine neue Familie beide Bedeutungen gleichzeitig ein, die des Schwiegersohnes, welche ihm dauernd bleibt, nicht früher als die des jungen Ehemannes. Wenn demnach der Vfr. in dem Gebrauche des Wortes Kallah für Braut (d. h. Neuvermählte) ein wichtiges Kriterium für das Zeitalter biblischer Bücher gefunden zu haben glaubt, so halte ich das nicht für begründet, da dieser Gebrauch gerade für Kallah die ursprüngliche Bedeutung ist und für Chatan mindestens von gleichem Alter mit Schwiegersohn. Es ist schon sehr bedenklich, wenn Joel 2, 16 einem späteren Zeitalter zugewiesen werden soll, da wir keine sonstige Veranlassung 8*

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